Month: Januar 2019

Mehr Kostentransparenz für den Kunden

Wer heute an einer Ladesäule tankt,
sieht nur in den seltensten Fällen, wie viel Strom er exakt bezahlt. Das soll
sich künftig ändern. Denn Elektroautofahrer sollen künftig eine eindeutig bessere
Kontrolle über ihre Fahrstromrechnung erhalten. Die Physikalisch-Technische
Bundesanstalt (PTB) hat nun die ersten Zertifikate für eichrechtkonforme
Ladesäulen erteilt.

Diese können
nun nicht nur den Stromverbrauch eines Tankvorgangs ermitteln, sondern diesen
auch für den Kunden darstellen und für spätere Überprüfungen speichern.

Funktionierende
Stromzähler in Ladesäulen gibt es zwar teilweise schon – zumindest für die
langsamen Wechselstromladesäulen, bislang waren die Werte mit wenigen Ausnahmen
aber weder für Kunden noch für die zwischen sie und den Stromversorger
geschalteten Roaming-Dienste vernünftig nutzbar. Wer an einer Ladesäule tankt,
kann beispielsweise Strommenge und Kosten häufig erst sehen, wenn die
monatliche Abrechnung in der Post ist. Reklamationen sind so nur schwer
möglich. Für Fahrer konventioneller Autos undenkbar, sie zahlen direkt an der
Tankstelle den an der Zapfsäule ausgewiesenen Betrag.

Das
wachsende Angebot an eichrechtkonformen Ladesäulen dürfte einen großen Einfluss
auf die Preismodelle des mobilen Fahrstrommarkts haben.

Bezahlt wird pro
Kilowattstunde

Ohne das
transparente Messverfahren darf der Strom seit Anfang des Jahres nur noch in
Ausnahmefällen (vor allem bei Schnellladesäulen) kilowattweise abgerechnet
werden. Viele Ladesäulenbetreiber behelfen sich damit, stattdessen eine
Pauschale zu verlangen oder den Strom direkt zu verschenken. Teilweise wird
auch nach Zeit abgerechnet, was einige Eichämter jedoch nicht akzeptieren, da
in diesem Fall das gleiche Problem mit der Nachvollziehbarkeit besteht wie bei
der Abrechnung nach Kilowattstunden. Zudem sind Fahrer von E-Autos mit geringer
Ladeleistung pro Stunde dort finanziell gegenüber Nutzer von schnell ladenden
Modellen benachteiligt. Langfristig werden diese drei Tarifmodelle daher wohl
zugunsten der Bezahlung pro real getankter Kilowattstunde verschwinden.
Experten erwarten nach der Einführung eichrechtkonformer Säulen zudem einen
Bauboom, vor allem bei der öffentlichen Hand.

Stromzähler gibt´s
auch im Kabel

Die eichrechtkonformen Ladesysteme dürften in der Regel über ein Display oder einen Zähler verfügen, über das dem Kunden die getankte Strommenge dargestellt wird. Den Ansatz zumindest verfolgt die Sauerländer Firma Mennekes, die zu den ersten Unternehmen mit einer Baumusterprüfbescheinigung der PTB (Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig) zählt. Das Start-up Ubricity, das Laternen für die Ladestromversorgung nutzt, hat den Stromzähler hingegen in das Ladekabel des Kunden ausgelagert. Zudem arbeitet die Branche an Nachrüstlösungen für bestehende Ladesäulen. Langfristig ist es allerdings nicht unwahrscheinlich, dass der Stromzähler von der Ladesäule ins Auto wandert. Dann wäre auch das vergütete Wiedereinspeisen von Strom ins Netz möglich.


Volkswagen mit eigener Öko-Strom-Marke für Elektromobile

Volkswagen will eine eigene Tochtergesellschaft für Energie-Angebote und Lade-Lösungen gründen – und zwar unter dem Namen Elli. Die Elli Group GmbH mit Hauptsitz Berlin wird für die Marken des Konzerns Produkte und Dienstleistungen rund um die Themen Energie und Laden entwickeln.

Thomas Ulbrich, Vorstand für E-Mobilität der Marke Volkswagen: „Als einer der weltweit größten Automobilhersteller wird Volkswagen die dringend benötigte Verkehrs- und Energiewende hin zu emissionsneutraler E-Mobilität beschleunigen. Das neue Unternehmen trägt dazu mit Energie-Angeboten aus erneuerbaren Quellen und smarten Lade-Lösungen bei. Damit besetzen wir ein strategisch relevantes, hochspannendes Geschäftsfeld, das viele Chancen zur Bindung bestehender und der Erschließung neuer Kundengruppen bietet.”

Thorsten Nicklaß, designierter CEO von Elli, kündigte an, dass die neue Volkswagen Tochter auch Kunden außerhalb des Konzerns grünen, 100 Prozent CO2-freien Strom anbieten will. Nicklaß, zuvor CEO des Joint Ventures Digital Energy Solutions äußerte sich hierzu: „Unsere Mission ist es, der E-Mobilität den Weg von der Nische in den Mainstream zu bahnen. Elli steht für Electric Life, weil wir einen Lebensstil ermöglichen, der das E-Auto vollständig in den Alltag integriert – vergleichbar mit der heute selbstverständlichen Nutzung eines Smartphones.”

Dazu wird schrittweise ein bunter Strauß aus intelligenten Stromtarifen, Wallboxen und Ladesäulen sowie einem IT-basierten Energie Management System aufgebaut, erklärte Nicklaß: „Wir schaffen ein nahtloses und nachhaltiges Ökosystem, das die wichtigsten Anwendungsfälle adressiert und sämtliche Energiefragen von E-Auto-Nutzern und –Flottenbetreibern beantwortet.”

Bis zum Marktstart des Der Neo kommt dann auch noch...ID. als erstem Modell auf Basis des Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB) in 2020 werden sukzessive zahlreiche Lösungen bereitgestellt, die private und gewerbliche E-Mobilitäts-Kunden heute und in Zukunft benötigen – von Hardware über Abrechnungs- und digitale Zusatzdienste bis hin zu kompletten Beratungs-Paketen.

Volkswagen will echte und potenzielle Kunden in Zukunft nicht nur im Autohaus und im Fahrzeug betreuen, sondern auch daheim – dort, wo rund die Hälfte aller E-Auto-Besitzer in Zukunft vermutlich ihr Fahrzeug aufladen werden. Dazu gehört Öko-Strom für Privathaushalte mit und ohne E-Fahrzeug. Einzelheiten zu den ersten Tarifmodellen wird der Konzern in Kürze bekanntgeben. Es wird sich um CO2-frei erzeugten Volkswagen Naturstrom® handeln, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraftwerken stammt und dessen Herkunft vom TÜV zertifiziert wurde.