Audi revitalisiert die Brennstoffzelle

Audi holt die Brennstoffzelle wieder aus der Schublade. Die Ingolstädter wollen die Entwicklung der Wasserstofftechnologie beschleunigen, wie Konzernchef Bram Schot jetzt berichtete. In diesem Zusammenhang will Audi innerhalb des Volkswagen-Konzerns zum Kompetenzzentrum für Brennstoffzellen werden. Noch im laufenden Jahr wollen die Ingolstädter die Studie eines entsprechenden E-Autos vorstellen, 2021 könnte ein fertiges Modell im Leasing angeboten werden. Zuletzt hatte Audi 2016 die Brennstoffzellentechnik mit einer Fahrzeugstudie öffentlich in den Fokus gestellt.

Mit der Brennstoffzelle würde Audi eine Alternative zur Batterie in der Hinterhand haben. Eventuelle Lieferengpässe oder die Abhängigkeit von asiatischen Zellproduzenten könnten so verringert werden. Die Wasserstofftechnik bietet vor allem im Güterverkehr und für Langstrecken-Pkw gegenüber vergleichbaren Batterien Reichweitenvorteile, auch die Betankung ist schneller erledigt als das Aufladen. Die lange Zeit eher stiefmütterlich behandelte Brennstoffzelle könnte daher in Zukunft doch noch mal einen neuen Schwung erhalten, auch wenn VW-Chef Diess sich kürzlich stark für eine starke Ausrichtung der VW-Zukunftstechnologien in Richtung Elektromobilität ausgesprochen hat.
Erst kürzlich hatte bereits der Stuttgarter Zulieferer Bosch angekündigt, in die Produktion einzusteigen. Spätestens 2022 will der Automobilzulieferer seine gemeinsam mit dem Spezialisten Powercell Sweden entwickelte Technik auf dem Markt haben. Für 2030 erwartet das Stuttgarter Unternehmen einen Brennstoffzellen-Anteil von 20 Prozent bei Elektrofahrzeugen. Bisher gibt es nur sehr wenige Fahrzeuge im deutschen Markt, die mit Wasserstoff betankt werden können. Zudem ist die umweltfreundliche Produktion von Wasserstoff in großem Stil noch ungeklärt.

Eine interessante Entwicklung kommt da vielleicht jetzt aus Japan von Toyota. In seinem japanischen Werk Motomachi hat der Autobauer eine autarke Wasserstofftankstelle namens Simple Fuel in Betrieb genommen. Die Anlage kann dank Solarzellen die Energie selbst erzeugen, die es zu Produktion von Wasserstoff benötigt. Das mit Hilfe erneuerbarer Energie erzeugte Gas stellt die Anlage zur Betankung bereit.

Der Solarstrom wird zur Elektrolyse eingesetzt, die wiederum Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet. Pro Tag lassen sich so 8,8 Kilogramm Wasserstoff generieren. Diese Menge soll für den Betrieb von sieben bis acht Gabelstaplern mit Brennstoffzellenantrieb reichen. Derzeit sind in Motomachi 22 Wasserstoff-Gabelstapler unterwegs. Toyota will im Rahmen einer Initiative des japanischen Umweltministeriums die Zahl auf 50 Fahrzeuge erhöhen und zudem weitere Simple-Fuel-Tankstellen in Betrieb nehmen.

Für den Alltagsbetrieb von Brennstoffzellenfahrzeugen wie dem Toyota Mirai oder dem Hyundai Nexo wird rund 1 Kilogramm Wasserstoff je 100 Kilometer benötigt.