ID.4

Premiere des VW ID.4: Auf dem Weg zum Weltauto?

Nach dem Marktstart des kompakten ID.3 bringt der Wolfsburger Konzern den elektrischen Crossover-SUV ID.4 auf den Markt.

Als VW dieses Jahr mit dem ID.3 sein erstes vollelektrisches Modell auf den Markt brachte, war trotz moderner Aufmachung klar, dass es ein eher für den europäischen Markt bestimmtes Golf-Äquivalent sein sollte. Nun folgt mit dem ID.4 ein als „Weltauto“ bezeichnetes Fahrzeug, das den global hochrelevanten Markt der Kompakt-SUVs bedient. So verwundert es kaum, dass Chefingenieur Frank Bekemeier den ID.4 als zentralen Bestandteil von VWs Elektrifizierungskampagne bezeichnet. Neben dem Werk in Zwickau wird der elektrische Crossover-SUV auch in China und den USA vom Band rollen.

Zunächst ist der ID.4 als Sondermodell 1ST bestellbar. Mit einer Batteriekapazität von 77 kWh bringt er es auf eine Reichweite von 520 km. Der E-Motor mit Heckantrieb leistet 150 kW (204 PS) und beschleunigt in 8,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 160 km/h begrenzt. An einer Schnellladesäule kann der ID.4 mit 125 kW geladen werden – genug, um in einer halben Stunde Reichweite für 320 Kilometer zu tanken.

Im Exterieur folgt der Elektro-SUV der modernen Designsprache des ID.3: Fließende und stringente Gestaltung, die gleich darauf deutet, dass es sich hier um ein E-Fahrzeug handelt. Die Scheinwerfer und Rücklichter verlaufen in einem kontinuierlichen LED-Band, in dessen Mitte das VW-Logo platziert wird. Auch im Interieur setzen die Wolfsburger moderne Akzente: Das Cockpit kommt ganz ohne Knöpfe oder physische Tasten aus. Stattdessen dominieren zwei Displays den Innenraum, die per Touchscreen oder Sprachsteuerung bedient werden können. Optional ist ein Head-Up-Display, das etwa Navigationshinweise direkt ins Sichtfeld des Fahrers projiziert. Durch den langen Radstand entsteht ein geräumiger Innenraum, der es, wie VW betont, mit dem Raumangebot der nächstgrößeren SUV-Klasse aufnehmen kann. Auf einer Länge von 4,58 Meter profitiert der ID.4 so von der Raumaufteilung der Wolfsburger MEB-Plattform.

Der ID.4 1ST ist als teurere Ausstattungsversion förderungsfähig. Mit Elektrobonus ist er demnach für 40.470 Euro erhältlich. Ab 2021 soll das elektrische Fließheck-SUV dann auch in anderen Motor-und-Akkuvarianten auf den Mark
t kommen. Eine günstigere Version mit kleinerem Akku, die es mit 52 kW/h auf 350 km Reichweite bringt, soll ab 37.000 Euro zu haben sein. Im neuen Jahr folgen dann auch weitere Motorversionen mit 109, 125, 128 oder 150 kW. Zudem steht eine Allrad-Motorisierung an, die es mit zusätzlichem Frontmotor mit 75 kW (102 PS) auf eine Systemleistung von 225 kW (306 PS) bringt.

Der ID.4 kommt mit der Ambition auf den Markt, wie sein Gegenstück Tiguan zu einem „Weltauto“ zu werden. Die Weichen dafür sind gestellt, der ID.4 ist ab sofort bestellbar, die Produktion im VW-Werk in Zwickau läuft seit August. Die ersten Kunden sollen ihr Auto noch vor Weihnachten geliefert bekommen.


U5

Mut zur Lücke: Der chinesische Hersteller Aiways mit dem U5

Von Michael Specht

Als der junge chinesische Autohersteller Aiways vor zwei Jahren mit der Entwicklung eines elektrischen SUV begann, entschied man sich gezielt für das Volumensegment der Mittelklasse. Denn sehr wohl wusste das Start-up, was Tesla im Programm hat, und womit Audi, Jaguar und Mercedes auf den Markt kommen würden. Alle sind mit luxuriösen 2,5-Tonnen-Brocken unterwegs und rufen Preise von teils weit mehr als 80.000 Euro auf. Dass es auch wesentlich günstiger geht, zeigt Aiways nun mit dem U5, und bringt das Modell für weniger als die Hälfte der Preise der Premium-Anbieter in den Handel – bei gleichzeitig mehr Reichweite und teils besserem Platzangebot. Der U5 ist ein SUV in der Größe eines Skoda Kodiaq oder VW Tiguan Allspace. Wer jetzt denkt, Elektroautos aus dem Reich der Mitte interessieren in Europa doch keinen Menschen, irrt gewaltig. Schon bald soll der China-Stromer bei uns in Deutschland bestellbar sein.
Es wäre ein erneuter Versuch eines chinesischen Autobauers, im schwierigsten Markt der Welt einen Fuß in die Tür zu bekommen. Manche mögen sich noch an die Marken Brilliance oder Landwind erinnern. Letztere endete bei seinem Deutschland-Debüt als „China-Kracher“ mit verheerendem Resultat an der ADAC-Crash-Wand.
Aiways will es nun besser machen, verzichtet von vornherein auf konventionelle Verbrennungsmotoren und setzt gleich zu 100 Prozent auf Elektroantrieb, wohlwissend, dass man anders keine Chance hätte. Auch in Sachen Crash-Sicherheit glaubt Aiways, alle global gültigen Normen erfüllen zu können. Stolz sind die Chinesen auf ihre im Segment bislang einmalige Karosseriekonstruktion. Während das Chassis komplett aus Aluminium besteht, ist die Karosserie aus Stahl.
Um Qualität und Langstreckentauglichkeit unter Beweis zu stellen, schickten die Marketing-Strategen von Aiways werbewirksam zwei U5-Prototypen von China auf die Reise nach Deutschland. Die Marathon-Tour verlief über Kasachstan, Russland, Skandinavien, Niederlande, Belgien und Frankreich, 14.200 Kilometer insgesamt. Ziel war die IAA in Frankfurt. Wir erhielten Gelegenheit, die Etappe von Moskau nach St. Petersburg unter die Räder zu nehmen.

140 KW SIND VÖLLIG AUSREICHEND
Wie alle Elektroautos beschleunigt auch der U5 gleichmäßig, leise und kraftvoll. Ein leichtes „Straßenbahn-Singen“ ist nur anfangs hören. Dann wird es ruhig. Unter der Haube sitzt ein 140-kW-Motor. Er liefert ein Drehmoment von 310 Newtonmetern, etwa so viel, wie ein moderner Zweiliter-Diesel erzeugt. Nur mit dem Unterschied, dass der Kick vom Stand weg zur Verfügung steht. Die Leistung reicht aus, um bestens im Alltagsverkehr zurechtzukommen, und zeigt nur zu deutlich, wie überdimensioniert Audi, Mercedes, Jaguar und Tesla ihre Elektro-SUVs eigentlich ausgelegt haben. Auch Lenkung, Fahrwerk und Bremsen hinterlassen im U5 bereits einen professionellen Eindruck, selbst wenn es hier und da noch an etwas Finetuning fehlt. 503 Kilometer Reichweite (nach NEFZ) verspricht Aiways, eine mutige Ansage. Nach dem WLTP-Zyklus dürften es aber immer noch um die 400 Kilometer sein. Diese Distanz haben wir auf den russischen Straßen bereits locker übertroffen, mögen auch sommerliche Temperaturen und ein Tempolimit von 110 km/h – mehr sind in dem Riesenland nicht erlaubt – positiv dazu beigetragen haben. Die Energie liefert eine 65-kWh-Batterie. Damit bleibt Aiways deutlich unter Audi und Co, die zwischen 80 und 100 kWh an Bord haben und daher auch erheblich mehr wiegen. Nur 1.730 Kilogramm geben die Chinesen als Leergewicht an.

DEN AIWAYS GIBT ES IN DEUTSCHLAND NUR ONLINE
Bemerkenswert ist das Raumgefühl im Aiways U5. Konsequent haben sich die Ingenieure die Vorteile des platzsparenden Elektroantriebs zunutze gemacht. Dies spüren besonders die Gäste im Fond. Bis zu den Vordersitzlehnen ist so viel Platz, dass man bequem die Beine übereinanderschlagen kann. Kein anderes SUV in diesem Segment bietet solchen Komfort. Hinter den Rücksitzen bleiben zirka 550 Liter fürs Gepäck. Werden die geteilten Lehnen umgelegt, wächst der Stauraum auf das etwa dreifache Volumen. Hier fährt der Aiways den erwähnten Modellen Kodiaq und Tiguan Allspace somit hinterher.
Kaufen wird man den U5 bei uns vorerst nicht können, das Vertriebskonzept sieht ausschließlich Leasing vor. Dazu verhandelt Aiways derzeit mit großen Leasing-Gesellschaften. Wer den Zuschlag erhält, will man zum Jahresende bekanntgeben. Die monatlichen Raten sollen „um die 400 Euro“ liegen, heißt es aus der Firmenzentrale in Shanghai.
Bestellbar wird der U5 nur online sein. Händler und Showrooms? Fehlanzeige. Probefahrten können angemeldet werden, Aiways-Mitarbeiter kommen dann bis vor die Haustür. Wie das logistisch bewältigt werden soll, bleibt offen. Möglichkeiten, den U5 in Augenschein zu nehmen und Probe zu fahren, sollen sogenannte Pop-up-Stores bieten. Mit ihnen tingelt Aiways im ersten Jahr durch eine Vielzahl von Städten. Die wichtigen Themen Service, Reparaturen und Ersatzteile will man zusammen mit der Allianz angehen. Der Versicherer übernimmt dann sämtliche Dienstleistungen.
Das Aiways mit seiner Strategie in Europa Erfolg hat, ist möglich. Trotzdem: Die Marke ist unbekannt. „Das Vertrauen der Kunden muss erst gewonnen werden“, sagt Peter Fintl, China- und E-Mobilitätsexperte beim Beratungsunternehmen Altran, und sieht den U5 insgesamt zwar als „technisch und preislich interessantes Paket“ an. „Doch bald trifft das Modell auf etablierte Konkurrenz, allen voran auf Volkswagen. Und die Wolfsburger stellen mit ihrer MEB-Architektur nicht nur ihre technologische Kompetenz unter Beweis, sondern verfügen auch über eine exzellente Vertriebsorganisation.“


Trekstor geht unter die E-Scooter-Hersteller

Trekstor , der für die Produktion von Spechermedien bekannte Hersteller, erweitert sein Angebot um ein E-Scouter-Modell, und zwar den EG40610. Dieses Modell mit dem komplizierten Namen zeichnet sich vor allem durch luftgefüllte 10-Zoll-Reifen aus, die im Gegensatz zu Vollgummirädern mehr Komfort und Fahrstabilität auf unebenem Untergrund bieten. Außerdem bietet der EG40610 einen in der Lenkstange untergebrachten Akku, der sich laut Hersteller mit wenigen Handgriffen entnehmen lässt, um ihn leichter zur nächsten Steckdose zu transportieren. Die Ladezeit soll bei 4,5 Stunden liegen, die Reichweite der 230-Wh-Batterie wird mit 20 Kilometer angegeben.

Darüber hinaus verspricht Trekstor ein problemloses erreichen der Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h dank eines 350 Watt starken E-Motors. Zur Ausstattung des 14 Kilogramm schweren Scooters gehören eine integrierte Beleuchtung, Multifunktionsdisplay, Faltmechanismus, Ständer und Klingel. Neben einer mechanischen Scheibenbremse sorgen eine Trittbremse am hinteren Schutzblech und eine E-Bremse für Verzögerung. Der rund 650 Euro teure Scooter ist bereits bestellbar. Speziell im Trekstor-Onlineshop erhalten Kunden bei Bestellung eines EG40610 einen 50-Euro-Gutschein für einen Uvex-Helm.


Stadt der Zukunft

Toyota baut bald eine Stadt der Zukunft

Toyota arbeitet an der Stadt der Zukunft: Auf einem 175 Hektar großen Gelände am Fuße des japanischen Mount Fuji will der Mobilitätskonzern eine Modell-Metropole bauen. Die jetzt im Rahmen der CES in Las Vegas (-10. Januar) vorgestellte „Woven City“ bildet ein vollständig vernetztes Ökosystem, das Wasserstoff-betriebene Brennstoffzellen nutzt.

Als „lebendiges Labor“ wird Woven City sowohl klassische Einwohner als auch Forscher beherbergen, die vor Ort Technologien wie Autonomie, Robotik, persönliche Mobilität, Smart Home und Künstliche Intelligenz (KI) in einer realen Umgebung testen und entwickeln können.Toyota ist offen für eine Zusammenarbeit mit anderen kommerziellen und akademischen Partnern. Interessierte Wissenschaftler und Forscher aus der ganzen Welt sind eingeladen, an eigenen Projekten in diesem einmaligen, realen Inkubator zu arbeiten. Mit dem Entwurf von Woven City hat Toyota den dänischen Architekten Bjarke Ingels, CEO der Bjarke Ingels Group (BIG), beauftragt, dessen Team unter anderem das World Trade Center und den Hauptsitz von Google entwarf.Neben Strecken für schnellere Fahrzeuge gibt es Abschnitte für einen Mix aus niedrigerer Geschwindigkeit, persönlicher Mobilität und Fußgängern sowie für eine parkähnliche, ausschließlich Fußgängern vorbehaltene Promenade.

Hauptsächlich aus Holz bestehende Gebäude, für die traditionelle japanische Holztischlerei und robotergestützte Produktionsmethoden verwendet werden, reduzieren den CO2-Fußabdruck. Auf den Dächern finden sich Photovoltaik-Anlagen, um Solarstrom zusätzlich zur Stromerzeugung durch Wasserstoff-Brennstoffzellen zu nutzen.

Die Wohnungen in der Stadt der Zukunft werden mit den neuesten Assistenztechnologien wie In-Home-Robotik ausgestattet, um Menschen zu unterstützen. Sensorbasierte künstliche Intelligenz überprüft den Gesundheitszustand der Bewohner und verbessert das tägliche Leben. Auf den Hauptverkehrsstraßen sind ausschließlich völlig autonom fahrende, emissionsfreie Fahrzeuge unterwegs, um die Bewohner zu befördern. Der Toyota e-Palette wird für den Transport und die Warenauslieferung sowie für den mobilen Einzelhandel eingesetzt.Die beiden Nachbarschaftsparks, ein großer zentraler Park zur Erholung sowie ein zentraler Platz für soziale Zusammenkünfte sollen die Gemeinschaft zusammenführen. In Woven City sollen Mitarbeiter und ihre Familien, Ehepaare im Ruhestand, Einzelhändler, Wissenschaftler und Industriepartner leben.

Vor Ort finden zunächst bis zu 2.000 Menschen Platz, deren Zahl im Laufe der Zeit sukzessive ausgebaut werden kann. Der Spatenstich für die Modell-Metropole ist für Anfang 2021 geplant.

Text von auto-medienportal.net/Dennis Gauert


Die Mia.

Einer der E-Auto-Pioniere in Europa war die Mia Electric, ein Kunststoff-Van, der trotz seiner besonders kompakten Außenabmessungen einen alltagstauglichen Innenraum bot. Doch nach nur wenigen Jahren kam 2015 das endgültige Aus für den rund 800 Kilogramm leichten Stromer. Jetzt plant die Fox Automotive Switzerland für 2019 eine Neuauflage.
Das meldet der Batteriehersteller Lion Smart, der den Auftrag erhalten hat, eine sogenannte Light-Batterie für die neue Mia zu produzieren, die in die bestehende Fahrzeugarchitektur eingepasst werden soll. Die Neuauflage der Mia wird im Vergleich zur früheren Version in puncto Reichweite und Sicherheit optimiert. Kommendes Jahr wollen die Schweizer die Produktionslinie wieder in Betrieb nehmen und noch im gleichen Jahr die Serienfertigung starten. Ein europaweiter Vertrieb ist geplant.

Foto: Spotpress / Benjamin Bessinger

Audi Q4 e-tron

Was vom Genfer Salon bleibt: Die E-Mobile sind nun ebenbürtig

Anmerkungen von Peter Maahn

Der Genfer Salon im Frühling, der Mont Blanc trägt seine Schneehaube, erste wärmende Strahlen besiegen den sterbenden Winter. Wie immer Anfang März sind die Stellplätze auf dem nahen Flughafen mit Privatjets zugeparkt, dunkle Limousinen schaufeln Massen von anzugtragenden Managern, Journalisten und Zaungästen zu den Eingängen der großen Ausstellungshallen. Die Autowelt trifft sich zur ersten Messe des Jahres auf europäischem Boden, der Genfer Salon gibt den Startschuss zum neuen Autojahr. Schönere, schnellere, stärkere Autos aller Art sollen die Gewinne der Konzerne auch in den kommenden Monaten sprudeln lassen und die Aktionäre beglücken. So war es in diesem Jahr – und so wird es im kommenden auch sein.

Aber nun war alles ganz anders in diesem Jahr 2019, das vielleicht später einmal als ein endgültiger Wendepunkt in die Geschichte der Traditionsmesse eingehen wird. Natürlich waberten die Dauerthemen Strafzölle, Brexit, Diesel oder drohender Verkehrskollaps durch die Hallen. Allesamt Tretminen, die von den Chefs der Ausstellerfirmen bei ihren Auftritten auf den Premierenbühnen sorgfältig umschifft wurden. Solche Krisen gab es immer. Viel wichtiger und folgenreicher aber ist die Zeitenwende, für die der Genfer Salon in diesem Jahr stand.
Die alte Autowelt mit chromblitzenden Fünf-Meter-Schiffen, kraftstrotzenden Achtzylindern und ultraflachen Geschossen für die linke Spur ist auf dem Rückzug. Natürlich standen sie da noch, die Bugatti, Lamborghini oder Bentley, die auf kleinen Stellschilder Effizienzklasse G zugeben müssen, die schlechteste überhaupt. Flankiert wurden die Dinos durch Sportwagen-Kleinserien eher unbekannter Hersteller wie Pagani (562 kW/765 PS für einen Roadster namens Huayra) oder Zenvo mit dem Mittelmotor-Giganten TSR (866 kW/1177 PS).

Beide fanden auf dem Genfer Salon wie viele andere Platz dank prominenter Absagen renommierter Hersteller wie Ford, Opel oder Jaguar, deren freigewordene Lücken aufgefüllt werden mussten.
Alles Beispiele für PS-Riesen, die ein Stück weit für den aussichtslosen Überlebenskampf der automobilen Saurier stehen. Denn das Umfeld hat sich geändert. Der deutsche Manager eines Dax-Konzerns, der nicht genannt werden will, sagt: „Das ist kein Umbruch, das ist ein Erdbeben“. Er meint damit die neue Welt mit ihren zumindest vor Ort abgasfreien Antrieben, immer stärker werdenden Batterien und höheren Reichweiten. Erstmals ist die Zahl der Neuvorstellungen von E-Autos auf Augenhöhe mit den klassischen Ausstellungsstücken. Fifty-fifty ist erreicht, schon im nächsten Jahr könnten die Stromer in der Überzahl sein.

E-Konzeptautos werden zu Serienfahrzeugen
Natürlich waren einige der Premieren noch Konzeptautos wie der Audi Q4 E-Tron oder die elektrischen Kleinbusse wie Mercedes EQV (stammt von der V-Klasse ab) und VW T6. Doch die Premiere im richtigen Leben ist nicht irgendwann in der Zukunft, sondern in wenigen Monaten. Batteriegespeiste Versionen von normalen Kleinwagen wie dem neuen Peugeot 208 werden Normalität. Dazu kommen zahllose sogenannte Plug-In-Hybride (an der Steckdose aufladbar), mit denen Mercedes, BMW oder auch Audi ihre bescheidener gewordenen Stände zuparken. Elektro ist nun mal das neue Öl, der saubere Motor der Mobilität, die dann auch noch autonom werden wird.
Die Sorge um das, was früher Fahrfreude genannt werden durfte, ist dabei unbegründet. Denn es haben sich kleine Unternehmen gegründet, die den Spaß mit der grünen Vernunft verheiratet haben. Beispiel ist die Wiedergeburt einer längst vergessenen Marke. Hispano Suiza, in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts eine Ikone der Mächtigen und Reichen, feierte in Genf eine Wiederauferstehung. Mit dem Carmen, den der spanisch-schweizer Hersteller als „elektrischen Hyperlux Grand Tourer“ beschreibt. Zwei E-Motoren liefern zusammen 750 kW/1.019 PS. Die Reichweite der Batterie soll bei 400 Kilometern liegen, natürlich nicht, wenn die mögliche Spitzengeschwindigkeit des 4,73 Meter langen Zweisitzers (250 km/h) ausgereizt wird. Preis: 1,8 Millionen Euro.
Auch andere kleine Start-ups wollen mit Hochleistungs-Stromern den Anschluss halten, darunter der Erstling von Toni Piëch (40), dem Sohn des früheren VW-Chefs Ferdinand Piëch. Sein elektrischer Sportwagen trägt den Namen Piech Mark Zero.
Bei aller elektrisierenden Hochspannung ging in Genf die Sorge um den Fortbestand der klassischen Automessen um. Zu teuer für die Hersteller, abnehmende Besucherzahlen und Absagen wichtiger Marken bereiten nicht nur den Messe-Managern Sorge. So ist heute schon klar, dass fast 20 bekannte Marken auf der IAA in Frankfurt im Herbst fehlen werden.

Foto: Geneva International Auto Show


Nach dem Golf kommt Ende des Jahres der I.D. Neo.

ADAC Ecotest: Elektro- und Erdgasfahrzeuge am umweltfreundlichsten

Fünf Elektromobile waren die saubersten Autos 2018. Das geht aus dem ADAC Ecotest des abgelaufenen Jahres hervor, bei denen der VW E-Golf, der VW E-Up, der BMW i3s, der Smart Fortwo Coupé EQ und der Hyundai Kona Elektro unter allen 109 überprüften Modellen am besten abschnitten. Das sauberste Auto mit Verbrennungsmotor war der mit Erdgas betriebene Fiat Panda 0.9 8V Twinair Natural Power. Der beste Benziner war interessanterweise der VW Up GTI auf Rang 13. Der sauberste Diesel folgt erst weit abgeschlagen auf Rang 16 an Bord des Kia Ceed 1.6 CRDi. Die letztgeannte Antriebsart steht also nicht mehr in der Umweltgunst selbst der ADAC-Tester. Ein absolut schlechtes Ergebnis für die einst so hoch globten Selbstzünder.

Insgesamt zeigten sich neue Dieselmodelle mit der Abgasnorm Euro 6d-Temp relativ sauber. Obwohl es hier auch Ausnahmen gebe, wiesen die meisten neuen Diesel gute Schadstoffwerte auf, so der Münchener Automobilclub. Aber auch Hybrid- und Erdgasfahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 6b konnten in der Umweltwertung mit gleichzeitig geringem Schadstoffausstoß und Verbrauch überzeugen. Damit hat der Club etwas andere Ranking-Ergebnisse als andere Andere Ergebnisse.

Am schlechtesten schnitten im vergangenen Jahr beim ADAC Ecotest vor allem SUV und Geländewagen von Importmarken ab. So landeten Jeep Compass 1.4 Multiair 140, Fiat 500X 1.4 MultiAir Start&Stopp 4x2 DCT, Kia Sorento 2.2 CRDi AWD Automatik und SsangYong Rexton 2.2 Diesel 4WD Automatik am Ende der Rangliste. Gleiches gilt für den Sportwagen Chevrolet Camaro Coupé 6.2 V8 Automatik. Alle Modelle schnitten sowohl bei CO2- als auch Schadstoffausstoß schlecht ab.

Die Autos werden im Ecotest laut ADAC im Labor wesentlich realitätsnäher geprüft als bei Herstellern und staatlichen Institutionen üblich. Einige Modelle wurden zudem einem zusätzlichen Test im Straßenverkehr unterzogen. Bewertet wurden jeweils Schadstoffausstoß und CO2-Emissionen beziehungsweise Kraftstoffverbrauch.


Mehr Kostentransparenz für den Kunden

Wer heute an einer Ladesäule tankt,
sieht nur in den seltensten Fällen, wie viel Strom er exakt bezahlt. Das soll
sich künftig ändern. Denn Elektroautofahrer sollen künftig eine eindeutig bessere
Kontrolle über ihre Fahrstromrechnung erhalten. Die Physikalisch-Technische
Bundesanstalt (PTB) hat nun die ersten Zertifikate für eichrechtkonforme
Ladesäulen erteilt.

Diese können
nun nicht nur den Stromverbrauch eines Tankvorgangs ermitteln, sondern diesen
auch für den Kunden darstellen und für spätere Überprüfungen speichern.

Funktionierende
Stromzähler in Ladesäulen gibt es zwar teilweise schon – zumindest für die
langsamen Wechselstromladesäulen, bislang waren die Werte mit wenigen Ausnahmen
aber weder für Kunden noch für die zwischen sie und den Stromversorger
geschalteten Roaming-Dienste vernünftig nutzbar. Wer an einer Ladesäule tankt,
kann beispielsweise Strommenge und Kosten häufig erst sehen, wenn die
monatliche Abrechnung in der Post ist. Reklamationen sind so nur schwer
möglich. Für Fahrer konventioneller Autos undenkbar, sie zahlen direkt an der
Tankstelle den an der Zapfsäule ausgewiesenen Betrag.

Das
wachsende Angebot an eichrechtkonformen Ladesäulen dürfte einen großen Einfluss
auf die Preismodelle des mobilen Fahrstrommarkts haben.

Bezahlt wird pro
Kilowattstunde

Ohne das
transparente Messverfahren darf der Strom seit Anfang des Jahres nur noch in
Ausnahmefällen (vor allem bei Schnellladesäulen) kilowattweise abgerechnet
werden. Viele Ladesäulenbetreiber behelfen sich damit, stattdessen eine
Pauschale zu verlangen oder den Strom direkt zu verschenken. Teilweise wird
auch nach Zeit abgerechnet, was einige Eichämter jedoch nicht akzeptieren, da
in diesem Fall das gleiche Problem mit der Nachvollziehbarkeit besteht wie bei
der Abrechnung nach Kilowattstunden. Zudem sind Fahrer von E-Autos mit geringer
Ladeleistung pro Stunde dort finanziell gegenüber Nutzer von schnell ladenden
Modellen benachteiligt. Langfristig werden diese drei Tarifmodelle daher wohl
zugunsten der Bezahlung pro real getankter Kilowattstunde verschwinden.
Experten erwarten nach der Einführung eichrechtkonformer Säulen zudem einen
Bauboom, vor allem bei der öffentlichen Hand.

Stromzähler gibt´s
auch im Kabel

Die eichrechtkonformen Ladesysteme dürften in der Regel über ein Display oder einen Zähler verfügen, über das dem Kunden die getankte Strommenge dargestellt wird. Den Ansatz zumindest verfolgt die Sauerländer Firma Mennekes, die zu den ersten Unternehmen mit einer Baumusterprüfbescheinigung der PTB (Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig) zählt. Das Start-up Ubricity, das Laternen für die Ladestromversorgung nutzt, hat den Stromzähler hingegen in das Ladekabel des Kunden ausgelagert. Zudem arbeitet die Branche an Nachrüstlösungen für bestehende Ladesäulen. Langfristig ist es allerdings nicht unwahrscheinlich, dass der Stromzähler von der Ladesäule ins Auto wandert. Dann wäre auch das vergütete Wiedereinspeisen von Strom ins Netz möglich.


Umweltliste vom VCD: Überraschungen inklusive

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat seine alljährliche Kaufempfehlung für besonders umweltfreundliche Autos auf den neuesten Stand gebracht. Wie üblich werden in dieser „Umweltliste“ vor allem Hydride, kleine Benziner sowie Erdgas- und E-Fahrzeuge als die aus Umweltsicht attraktivsten Autos angepriesen. Darüber hinaus gelten aber auch etliche Diesel als sauber, zumindest, wenn diese die Abgasnorm Euro 6d-temp erfüllen. Ist das nicht der Fall, wird dringend von einem Kauf abgeraten.

Unter den 61 Empfehlungen der Umweltliste tummeln sich gleich 22 Dieselfahrzeuge, denen der Verkehrsclub ein vergleichsweise umweltfreundliches Zeugnis ausstellt. Dank der strengen Vorgaben der 6d-temp-Abgasnorm und einem SCR-Kat seien diese nicht nur im Labor, sondern auch auf der Straße sauber. Vor allem aber halten sich diese Autos beim Verbrauch zurück, wie etwa der Peugeot 308 SW Blue HDi 100, der nur 4,4 Liter auf 100 Kilometer benötigt und entsprechend wenig klimaschädliches CO2 emittiert. Andererseits warnt der VCD vor dem Kauf von Dieselfahrzeugen, die nur die 6c-Norm erfüllen. Oft lägen bei diesen die Stickoxidwerte viel zu hoch, weshalb diese aktuell noch am Markt verfügbaren Selbstzünder in naher Zukunft ebenfalls von Fahrverboten betroffen sein könnten.

Darüber hinaus listet der Autoclub in der Umweltliste 21 Benziner, 8 Benzin-Hybride, 7 Elektroautos, 2 Plug-in-Hybride und ein Erdgasauto auf. Auch in diesem Jahr verzichtet der VCD dabei auf ein Ranking. Alle 62 gelisteten Fahrzeuge emittieren nicht mehr als 135 Gramm CO2 pro Kilometer, was Verbrauchswerten von maximal 5,1 (Diesel) beziehungsweise 5,7 Liter (Benziner) entspricht. Den niedrigsten CO2-Wert in der Liste weist der VW Eco Up mit 100 Gramm auf, gefolgt von den Hybriden Toyota Yaris, Prius sowie Lexus CT 200h. Sparsamster Diesel ist der Peugeot 208 Blue HDi 100. Das E-Auto mit dem niedrigsten Verbrauch ist der VW E-Up mit 11,7 kWh auf 100 Kilometer.

Autos mit E-Antrieb können umweltfreundlich sein, oftmals sind sie es laut VCD aber nicht. Als ökologisch problematisch gebrandmarkt werden große E-Limousinen und -SUV sowie die oft lediglich auf dem Papier verbrauchsarmen Plug-in-Hybride. Sinnvoller seien vielmehr kleine und leichte Fahrzeuge mit moderater Reichweite wie etwa der für 2019 angekündigte Kleinstwagen e.Go Life.

Mit Material von Spotpress


VW Neo

Elektrofahrzeuge kommen in 2019 verstärkt - erst langsam, dann mächtig

Das Angebot der reinen Elektrofahrzeuge ist bislang eher langsam gewachsen in Deutschland. In den kommenden Monaten dürfte es sprunghaft zunehmen - und die E-Mobilität auch für neue Kundengruppen attraktiv machen. Eine Auswahl der erwarteten Neuerscheinungen bis Ende nächsten Jahres haben wir einmal für Sie zusammengestellt.

Es geht schon los in den kommenden Wochen: Ende diesen, Anfang nächsten Jahres starten zunächst die deutschen Tesla-Jäger Audi E-Tron und Mercedes. Die beiden Elektro-SUV der 400-PS-Klasse sind passgenau gegen das Model X der Stromer-Pioniere aus Kalifornien positioniert, bieten bei leicht geringeren Abmessungen ähnliche Fahrleistungen zu einem etwas günstigeren Preis. 73.000 Euro für den Mercedes und 80.000 Euro für den Audi engen die Zielgruppe williger und potenter Kunden allerdings immer noch spürbar ein.

Im Laufe des kommenden Jahres dürfte aber auch die Auswahl für Normalverdiener wachsen. Nicht zuletzt, weil dann VW seine E-Mobilität für alle anlaufen lässt. Ende 2019 soll der Kompaktwagen Neo debütieren, ein geräumiges Familienauto mit mindestens 400 Kilometern Reichweite, das nicht teurer sein soll als ein Diesel-Golf. Die Modellfamilie auf Basis einer neu entwickelten Baukastenarchitektur wird über die folgenden Jahre ständig wachsen: Geplant ist neben SUVs und Limousinen als besonderer Sympathieträger auch ein Kleinbus im Stil des legendären Bulli.

Auch beim bisher in Sachen Elektrofahrzeuge eher vorsichtigen PSA-Konzern startet 2019 das Elektro-Zeitalter. Premiere feiert der E-Antrieb im kleinen Crossover DS3 Crossback, bevor er auch in die gängigeren Modelle des Mehrmarkenkonzerns einzieht, 2020 etwa in den Opel Corsa und den Peugeot 208. PSA setzt jedoch stärker als viele andere Hersteller auf den Plug-in-Hybridantrieb, der vor allem in den größeren Baureihen zunächst dominierend bleiben dürfte.

Ebenfalls für 2019 steht wohl die Premiere des Honda Urban EV an. Der Kleinwagen im Retro-Stil hatte auf der IAA 2017 als Studie für Furore gesorgt und soll nun auch in der Serienversion Europas Stadtbewohner ansprechen. Details und Preise sind allerdings noch nicht bekannt. Klar ist aber, dass der Japaner auf wachsende Konkurrenz im Segment der Elektro-Citycars treffen wird. Häufig kommen diese nicht von etablierten Herstellern, sondern von Start-ups. So wie der Dreitürer e.Go, der von dem Team entwickelt wurde, das zuvor den E-Lieferwagen Streetscooter auf die Straße gebracht hat. Das Konzept ist ähnlich: Freundlicher Look, eher spartanischer Innenausbau und günstige Preise ab rund 16.000 Euro. Zum gleichen Preis startet voraussichtlich der Sion von Sonos Motors aus München, der als besonderes technisches Gimmick über eine mit Solarzellen gepflasterte Karosserie verfügt, die zumindest an sonnigen Tagen Strom für rund 30 Kilometer Fahrt liefern und so die Batterie entlasten soll.

Abgerundet wird die Elektrofahrzeuge-Offensive der kommenden Monate wieder durch ein Luxusmodell. Voraussichtlich Ende 2019 startet mit dem Porsche Taycan die Serienversion der lange Zeit als Mission E bekannten Messestudie. Der Model-S-Konkurrent basiert auf einer eigens entwickelten E-Plattform, die ab 2020 auch Konzernschwester Audi nutzen soll. Neben einer Reichweite um 500 Kilometer soll die neue Technik auch das ultraschnelle Laden ermöglichen – einmal Volltanken soll dann in rund 15 Minuten möglich sein.