Der Jaguar I-Pace kommt - und ist auf Raubzug

Britisches Understatement sieht anders aus: Jaguar will mit dem neuen I-Pace Maßstäbe in der Elektromobilität setzen. Die Voraussetzungen sind gut.

Noch ist Tesla mit seinen Modellen S und X der unbestrittene Platzhirsch bei edlen und schnellen Elektromobilen der Oberklasse. Doch mit dem I-Pace will Jaguar den Amerikanern jetzt auf die Pelle rücken bzw. an ihnen vorbeiziehen. Und so zeigten die Briten bei der offiziellen Präsentation ihres SUV am 1. März auch ein werbewirksames Wettrennen des I-Pace gegen das Model X. Gewinner: Jaguar. Zwar trat der I-Pace nicht gegen die stärkste Motorvariante des Model X an, doch die Botschaft kam rüber. Der I-Pace reklamiert für sich die Pole Position unter den elektrisch angetrieben SUV.
Das unterstreichen auch seine Leistungsdaten. Die zwei Motoren – einer an der Vorder- und einer an der Hinterachse – leisten zusammen 400 PS, das Drehmoment liegt bei 700 Newtonmeter. Mit diesen Kraftpaketen beschleunigt die Raubkatze in 4,8 Sekunden von 0 auf 100. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 200 km/h.

Die Motoren werden von einer 90 kWh-Batterie mit Strom versorgt, die für eine Reichweite von rund 480 Kilometer gut sein soll. Acht Jahre bzw. 160.000 Kilometer Garantie gewährt Jaguar auf den Akku. An Schnellladestationen soll er bereits nach 45 Minuten Ladezeit zu 80 % gefüllt sein.
Der I-Pace ist zwar kürzer als das Model X von Tesla, aber dennoch geräumig und vor allem wirkt er dynamischer. Schnickschnack wie Flügeltüren bieten die Briten beim Jaguar nicht, dafür versprechen sie eine erstklassig erprobte Technologie und Verarbeitung. Mehr als zwei Millionen Testkilometer hat der I-Pace runtergespult, bevor er zu den Händlern demnächst rollt. Darunter waren auch Fahrten in der Jaguar Land Rover Ice Academy in Schweden bei minus 20 Grad – Temperaturen, die Elektromobilen eigentlich überhaupt nicht liegen.
Nicht nur in Schweden, überall auf der Welt hat Jaguar seine kaum getarnte Testflotte über Asphalt und Stock und Stein gejagt. Alle, die bereits Gefallen an der Optik gefunden haben, dürfen sich freuen: Das Serienmodell unterscheidet sich kaum vom Prototypen. Mit seinem rassisch-eleganten Auftritt macht der Wagen der Marke Jaguar alle Ehre.

So ein Gesamtpaket hat allerdings seinen Preis. Er beginnt beim Grundmodell I-Pace S mit 77.850 Euro. Edleres Interieur, andere Bereifung und ein Fahrassistenz-Paket treiben die Kosten beim HSE auf 91.720 Euro in die Höhe. Noch exklusiver wird es bei der First Edition für 101.850 Euro, die unter anderem ein Panoramadach, 4-Zonen-Klimaautomatik und ein Winterpaket beinhaltet. Wer sich von solchen Summen nicht abschrecken lässt, wird als nächstes die bei e-Autos übliche Zeitfrage stellen: Wann ist der I-Pace lieferbar? Vor Ende 2018 wird es wohl nichts werden, denn es sollen schon viele Bestellungen vorliegen.


Wer wird zuerst autonom?

Google (Waymo), Tesla oder vielleicht Audi? Die Experten streiten darüber, wer beim autonomen Fahren die Nase vorn hat. Jetzt startet General Motors durch: Auf Basis des kompakten Elektrikers Bolt (in Europa Opel Ampera) entwickelt GM den Cruise AV für das Fahren ohne Fahrer. Dabei zeigen sich die Amerikaner äußerst konsequent. Im Gegensatz zu anderen Testfahrzeugen hat der Cruise AV weder Lenkrad noch Pedale.

Klingt nach Zukunftmusik? Mitnichten, bereits im kommenden Jahr soll gleich eine ganze Flotte für Probefahrten im Straßenverkehr bereitstehen. GM verspricht, dass die Fahrzeuge "selbständig sicher fahren". Interessenten werden sich die Autos per App herbeirufen können, um auf Tour zu gehen - so zumindest die Planung. Ob es wirklich so kommt, darüber wird unter anderem das US-Verkehrsministerium befinden.

Foto: GM


Tesla Model 3: Liefertermine rücken weiter in die Ferne

In den vergangenen Tagen hat Tesla über seine Absatzzahlen im Jahr 2017 und die laufende Produktion berichtet. Für deutsche Kunden auf der Warteliste des Model 3 waren es schlechte Nachrichten – sie werden sich noch länger gedulden müssen als gedacht.

Zwar hat Tesla den Engpass in der Produktion des Model 3 überwunden, an dem ein Zulieferer schuld gewesen sein soll. Wirklich rund läuft die Produktion aber nach wie vor nicht. Der Autobauer aus Kalifornien meldet, dass nun mehr als 1.000 Model 3 pro Woche vom Band rollen. Diese Zahl basiert aber ausschließlich auf einer Hochrechnung der letzten drei Arbeitstage im Jahr 2017. In der letzten Arbeitswoche des vergangenen Jahres hat Tesla dagegen nur 793 Stück geschafft. Massenproduktion sieht anders aus.

Dabei wollte Firmenchef Elon Musk Ende 2017 eigentlich schon bei deutlich größeren Zahlen liegen. Das hat nicht geklappt und so werden auch die nächsten Ziele verschoben. Tesla plant nun, Ende des zweiten statt Ende des ersten Quartals auf eine Wochenproduktion von 5.000 Model 3 zu kommen. Dies ist die zweite Kürzung der Prognosen seit November. Man kann sich ausrechnen, dass Tesla 2018 wahrscheinlich deutlich weniger als 200.000 der Mittelklasse-Stromer fertigen wird.
Da mehr als 450.000 Bestellungen vorliegen und Kunden aus den USA zuerst bedient werden, könnte es bis weit ins Jahr 2019 dauern, bevor die ersten Model 3 in Deutschland ankommen. Die Nachrichtenlage ist nicht nur für die Kunden enttäuschend, dass Wall Street Journal sieht auch Anlass für Investoren, wegen der häufigen Planverfehlungen, nervös zu werden.

Kein Wunder, fehlen dem hochverschuldeten Autobauer doch Umsätze, wenn die Produktion nicht läuft wie erwartet. Dank Model S und Model X hat Tesla im letzten Quartal 2017 mit 29.870 Fahrzeugen dennoch einen Absatzrekord erreicht. Bei den beiden Oberklassemodellen ist aber ein nachlassendes Wachstum der Verkaufszahlen bereits zu erkennen. Das Model 3 muss im Jahr 2018 zum Erfolg werden, sonst könnten die Kalifornier unter Druck kommen.


Testberichte über das Model3 von Tesla: Viel Lob und ebenso viel Kritik

Endlich mehr Tempo: Tesla bekommt die Produktionsprobleme beim Model 3 offenbar langsam in den Griff und liefert seit kurzem größere Stückzahlen aus. Ganz vorne in der Warteschlange stehen Käufer aus Kalifornien, die bereits Besitzer eines Tesla sind und am allerersten Bestelltag geordert haben. Je mehr Kunden ihr Model 3 erhalten, desto häufiger tauchen Erfahrungsberichte im Internet auf. Bei der Beurteilung dieser Berichte sollte man bedenken, dass die Tester praktisch durchweg große Fans der Marke Tesla sind.

So überrascht es nicht, dass in Berichten nahezu alle Besitzer das Model 3 für ein bahnbrechendes Auto halten, welches die hohen Erwartungen noch übertreffe. Zu den größten Pluspunkten werden die Fahrleistungen gezählt. Die Beschleunigung könne mit der eines Tesla Model S 70 D mithalten, bei der Spitzengeschwindigkeit hat einer der Fahrer stolze 228 km/h erreicht. Lob gibt es auch für die Reichweite: Die von Tesla genannten 310 Meilen (knapp 500 Kilometer) sollen in der Praxis tatsächlich machbar sein.

Durchweg positiv werden zudem die Fahreigenschaften des Model 3 bewertet. Jameson Dow von der Website Electrek: „Das Handling ist großartig, ich liebe es. Es ist für mich bisher das Beste an dem Wagen.“ Dow begründet seine Euphorie mit der direkt ansprechenden Lenkung und dem im Vergleich zum Model S deutlich geringeren Gewicht des Fahrzeugs. Das Model 3 sei flinker als der große Bruder. Zum Fahrspaß kommen noch Nutzwert in Form eines großzügigen Innen- und Kofferraums, bequeme Sitze sowie eine bessere Verarbeitung als es beim Serienstart von Model X und S der Fall war.

Trotz der Begeisterung erkennen selbst treue Tesla-Anhänger so manches Defizit: Das Lenkrad ist für viele kein optischer Leckerbissen und die Funktionalität überzeugt nicht jedermann. Tom Moloughney vom Branchendienst Inside hätte sich beispielsweise mehr Bedienelemente am Lenkrad gewünscht statt alles auf dem großen Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts zu bündeln: „Ich bin für Einfachheit, aber Tesla ist vielleicht etwas zu weit gegangen. Selbst um das Handschuhfach zu öffnen oder die Scheibenwischer anzustellen muss man den Touchscreen bemühen. Mir erscheint es nicht wirklich sicher, wenn man für jede Kleinigkeit nach rechts sehen soll.“

Während die Testfahrer beim Bildschirm geteilter Meinung sind, besteht Einigkeit bei der mangelhaften Sicht nach hinten. Moloughney: „Das Heck ist so hoch, ich konnte nachts an der Ampel nicht erkennen, ob ein Auto hinter mir steht.“ Als Behelf nutzen einige Besitzer die Rückfahrkamera, um zu sehen, was hinter ihnen vor sich geht.

Zu den grundsätzlichen Defiziten gesellen sich Kinderkrankheiten: Knacken aus der Audioanlage, schlechte Qualität der Wischerblätter, defekte Reifendrucksensoren, plötzlich blinkende Warnlichter, nicht identifizierbare Geräusche aus dem hinteren Teil des Autos und falsch abgerechnete Ladevorgänge am Supercharger sind nur einige Beispiele. Bei einem Fahrer poppte die Meldung auf, sein Fahrzeug müsse zur Inspektion. Der Wagen ließ sich anschließend nicht mehr starten. Derweil gibt es auch Berichte über Systemabstürze.

Wegen der sehr kurzen Testphase des Model 3 dürfte in den kommenden Monaten noch viel über Fehlfunktionen zu lesen sein. Solche Startprobleme hat Tesla bei seinen bisherigen Modellen mit der Zeit behoben. Interessanter ist, wie bei kritischeren Testern das grundsätzliche Urteil zum Model 3 ausfallen wird. Bleibt es bei der Begeisterung oder wird die Liste der Minuspunkte länger werden? Bis die ersten Exemplare irgendwann Ende 2018 oder Anfang 2019 in Deutschland eintreffen, wird man schlauer sein.

Foto: Tesla