Mehr Kostentransparenz für den Kunden

Wer heute an einer Ladesäule tankt, sieht nur in den seltensten Fällen, wie viel Strom er exakt bezahlt. Das soll sich künftig ändern. Denn Elektroautofahrer sollen künftig eine eindeutig bessere Kontrolle über ihre Fahrstromrechnung erhalten. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) hat nun die ersten Zertifikate für eichrechtkonforme Ladesäulen erteilt.

Diese können nun nicht nur den Stromverbrauch eines Tankvorgangs ermitteln, sondern diesen auch für den Kunden darstellen und für spätere Überprüfungen speichern.

Funktionierende Stromzähler in Ladesäulen gibt es zwar teilweise schon – zumindest für die langsamen Wechselstromladesäulen, bislang waren die Werte mit wenigen Ausnahmen aber weder für Kunden noch für die zwischen sie und den Stromversorger geschalteten Roaming-Dienste vernünftig nutzbar. Wer an einer Ladesäule tankt, kann beispielsweise Strommenge und Kosten häufig erst sehen, wenn die monatliche Abrechnung in der Post ist. Reklamationen sind so nur schwer möglich. Für Fahrer konventioneller Autos undenkbar, sie zahlen direkt an der Tankstelle den an der Zapfsäule ausgewiesenen Betrag.

Das wachsende Angebot an eichrechtkonformen Ladesäulen dürfte einen großen Einfluss auf die Preismodelle des mobilen Fahrstrommarkts haben.

Bezahlt wird pro
Kilowattstunde

Ohne das transparente Messverfahren darf der Strom seit Anfang des Jahres nur noch in Ausnahmefällen (vor allem bei Schnellladesäulen) kilowattweise abgerechnet werden. Viele Ladesäulenbetreiber behelfen sich damit, stattdessen eine Pauschale zu verlangen oder den Strom direkt zu verschenken. Teilweise wird auch nach Zeit abgerechnet, was einige Eichämter jedoch nicht akzeptieren, da in diesem Fall das gleiche Problem mit der Nachvollziehbarkeit besteht wie bei der Abrechnung nach Kilowattstunden. Zudem sind Fahrer von E-Autos mit geringer Ladeleistung pro Stunde dort finanziell gegenüber Nutzer von schnell ladenden Modellen benachteiligt. Langfristig werden diese drei Tarifmodelle daher wohl zugunsten der Bezahlung pro real getankter Kilowattstunde verschwinden. Experten erwarten nach der Einführung eichrechtkonformer Säulen zudem einen Bauboom, vor allem bei der öffentlichen Hand.

Stromzähler gibt´s
auch im Kabel

Die eichrechtkonformen Ladesysteme dürften in der Regel über ein Display oder einen Zähler verfügen, über das dem Kunden die getankte Strommenge dargestellt wird. Den Ansatz zumindest verfolgt die Sauerländer Firma Mennekes, die zu den ersten Unternehmen mit einer Baumusterprüfbescheinigung der PTB (Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig) zählt. Das Start-up Ubricity, das Laternen für die Ladestromversorgung nutzt, hat den Stromzähler hingegen in das Ladekabel des Kunden ausgelagert. Zudem arbeitet die Branche an Nachrüstlösungen für bestehende Ladesäulen. Langfristig ist es allerdings nicht unwahrscheinlich, dass der Stromzähler von der Ladesäule ins Auto wandert. Dann wäre auch das vergütete Wiedereinspeisen von Strom ins Netz möglich.