Langfristig ersetzt die Feststoffbatterie die Lithium-Ionen-Batterie

In naher Zukunft werden sich die Reichweiten der Batterien, wenn man den Ankündigungen der Hersteller glaubt, von aktuell rund 250 Kilometer auf mindestens 500 Kilometer verdoppeln. Wenn sich die Elektromobilität in den Vordergrund der Mobilität schieben will, sind solche Steigerungen auch notwendig, denn die Reichweite ist eine Schlüsselfrage der Elektromobilität. Für den Zuwachs an Reichweite sind, so Martin Winter, Professor für Materialwissenschaften, Energie und Elektrochemie, an der Universität Münster und Sprecher der deutschen Batterieforschung, vor allem „neue Zellchemien und größere Batterien“ verantwortlich. „Mit der Lithium-Ionen-Technologie gelang uns seit 1991 eine Verdreifachung der Energie pro Kilogramm und Liter.“ Einer der Treiber zu immer größeren Reichweiten ist Elon Musk, der mit Tesla zeigte, wie man großvolumige Batterien in einer Limousine montieren kann: „Heute sind es bis zu 800 Kilogramm.“ Die Rechnung hinter Musks Strategie ist einfach: Aktuell bringt ein Kilogramm Batterie rund 700 Meter Fahrstrecke. In Zukunft mit weiter optimierten Energiespeichern wird dieser Wert auf rund 1,3 Kilometer steigen.

Vor allem asiatische Unternehmen haben rechtzeitig vor den Europäern das Die CATL kommt nach Thüringenfür sich entdeckt und bestimmen heute diesen Markt, indem sie die meisten Batteriezellen liefern, ohne die kein Elektromobil fahren kann. „Sie nutzen dabei die Zellchemie-Kenntnisse, die sie in den vergangenen Jahren bei der Entwicklung und Produktion von Batterien für Mobiltelefone, Laptops und Tablets gewonnen haben“, erklärt Professor Winter. Für die asiatischen Hersteller ist die Konzentration auf die Batteriezellen eine Wette auf die Zukunft. „Aktuell verkaufen viele Zellhersteller ihre Produkte unter Herstellungskosten, um sich so ihre Marktposition zu sichern.“
Inzwischen stellen einige asiatische Hersteller auch ihre eigene Chemie her und wurden so auch zu Konkurrenten von Chemiekonzernen. Selbst bei der Herstellung der Batteriesysteme und der Elektroantriebe machen die Zellhersteller mit. Die Rollen in der Wertschöpfungskette werden neu verteilt und geordnet. Eine Batteriezellproduktion in Deutschland oder zumindest in der EU wäre, so Professor Winter, „sinnvoll, auch um nicht völlig von auswärtigen Herstellern abhängig zu sein.“

Noch ist Kobalt
unverzichtbar – noch!

Neben den Marktanteilen bei den Batteriezellen sichern sich die asiatischen Hersteller auch zunehmend wichtige Rohstoffe. So hat gerade das chinesische Batterierecycling-Unternehmen GEM einen bedeutenden Teil der weltweiten Kobalt-Produktion erworben. (Lesen Sie den ganzen Artikel in der neuen Ausgabe 5 von arrive, die am Freitag, 27.07.2018 im Zeitschriftenhandel erscheint.)