Musk

Tesla will Gigafactory bei Berlin bauen

Elon Musk hat es wieder einmal allen gezeigt. Sein ungewöhnliches Marketing-Gespür für den richtigen Moment, Dinge zu verkünden, die die Autowelt bewegen, hat ihn auch auf der Verleihung des „Goldenen Lenkrades“, der Preisgala einer großen deutschen Autozeitung, nicht im Stich gelassen. Seine Botschaft: Tesla will bis Ende 2021 eine funktionstüchtige Gigafactory für E-Fahrzeuge und Batterien bauen, und zwar in dem Örtchen Freienbrink, dass zur brandenburgischen Gemeinde Grünheide gehört. Mehr als 8.000 Menschen sollen in der Gigafactory arbeiten. Das wäre für das immer noch strukturschwache Bundesland Brandenburg ein echter Segen und ein gehöriger Imagegewinn dazu. Experten und Verantwortliche der Ladesäulenaufstelleräußerten sich insgesamt positiv zu dieser Ankündigung. Derzeit gibt es bereits entsprechende Fabriken in Sparks, Buffalo (beide USA) in Shanghai (im Bau), und nun in Grünheide bei Berlin. Hinzu kommt noch das Stammwerk in Freemont/USA. Allein die erste Gigafactory erreichte schon Mitte 2018 eine auf Jahressicht berechnete Kapazitätsrate von rund 20 GWh, wodurch sie damals weltweit die Fabrik mit der höchsten hergestellten Batteriekapazität wurde. Laut Elon Musk soll sie einmal, wenn sie tatsächlich vollständig fertiggestellt ist, das größte Gebäude der Welt werden.

Mit 43 Fahrzeug- und Motorenfabriken ist Deutschland schon jetzt der größte Automobilstandort in der Europäischen Union. Realisiert der E-Autobauer Tesla seine nun geäußerten Pläne für das Werk nahe Berlin, wächst der Abstand auf Europas Nummer 2, Frankreich, mit 37 Werken weiter. Rang drei belegt laut einer Statista-Grafik auf Basis von Zahlen des Branchenverbands ACEA das Vereinigte Königreich mit 23 Werken. Ebenfalls eine zweistellige Zahl an Produktionsstandorten weisen Italien (23), Polen (16), Spanien (13) und die Niederlande (10) auf. Blickt man über die Grenzen der EU hinaus, teilt sich Russland mit 37 Werken europaweit den zweiten Rang mit Frankreich. Berücksichtigt sind jeweils Fabriken für Kraftfahrzeuge und Motoren, keine Werke von Zulieferern und keine Kleinserienhersteller. Insgesamt gibt es in der EU 229 Produktionsstandorte, in ganz Europa einschließlich der Türkei sind es 309.
Tesla-Chef Elon Musk hat zusätzlich angekündigt, am Fabrikstandort ein Design- und Ingenieurszentrum ansiedeln zu wollen. Die Eröffnung soll voraussichtlich Ende 2021 erfolgen.


Langfristig ersetzt die Feststoffbatterie die Lithium-Ionen-Batterie

In naher Zukunft werden sich die Reichweiten der Batterien, wenn man den Ankündigungen der Hersteller glaubt, von aktuell rund 250 Kilometer auf mindestens 500 Kilometer verdoppeln. Wenn sich die Elektromobilität in den Vordergrund der Mobilität schieben will, sind solche Steigerungen auch notwendig, denn die Reichweite ist eine Schlüsselfrage der Elektromobilität. Für den Zuwachs an Reichweite sind, so Martin Winter, Professor für Materialwissenschaften, Energie und Elektrochemie, an der Universität Münster und Sprecher der deutschen Batterieforschung, vor allem „neue Zellchemien und größere Batterien“ verantwortlich. „Mit der Lithium-Ionen-Technologie gelang uns seit 1991 eine Verdreifachung der Energie pro Kilogramm und Liter.“ Einer der Treiber zu immer größeren Reichweiten ist Elon Musk, der mit Tesla zeigte, wie man großvolumige Batterien in einer Limousine montieren kann: „Heute sind es bis zu 800 Kilogramm.“ Die Rechnung hinter Musks Strategie ist einfach: Aktuell bringt ein Kilogramm Batterie rund 700 Meter Fahrstrecke. In Zukunft mit weiter optimierten Energiespeichern wird dieser Wert auf rund 1,3 Kilometer steigen.

Vor allem asiatische Unternehmen haben rechtzeitig vor den Europäern das Die CATL kommt nach Thüringenfür sich entdeckt und bestimmen heute diesen Markt, indem sie die meisten Batteriezellen liefern, ohne die kein Elektromobil fahren kann. „Sie nutzen dabei die Zellchemie-Kenntnisse, die sie in den vergangenen Jahren bei der Entwicklung und Produktion von Batterien für Mobiltelefone, Laptops und Tablets gewonnen haben“, erklärt Professor Winter. Für die asiatischen Hersteller ist die Konzentration auf die Batteriezellen eine Wette auf die Zukunft. „Aktuell verkaufen viele Zellhersteller ihre Produkte unter Herstellungskosten, um sich so ihre Marktposition zu sichern.“
Inzwischen stellen einige asiatische Hersteller auch ihre eigene Chemie her und wurden so auch zu Konkurrenten von Chemiekonzernen. Selbst bei der Herstellung der Batteriesysteme und der Elektroantriebe machen die Zellhersteller mit. Die Rollen in der Wertschöpfungskette werden neu verteilt und geordnet. Eine Batteriezellproduktion in Deutschland oder zumindest in der EU wäre, so Professor Winter, „sinnvoll, auch um nicht völlig von auswärtigen Herstellern abhängig zu sein.“

Noch ist Kobalt
unverzichtbar – noch!

Neben den Marktanteilen bei den Batteriezellen sichern sich die asiatischen Hersteller auch zunehmend wichtige Rohstoffe. So hat gerade das chinesische Batterierecycling-Unternehmen GEM einen bedeutenden Teil der weltweiten Kobalt-Produktion erworben. (Lesen Sie den ganzen Artikel in der neuen Ausgabe 5 von arrive, die am Freitag, 27.07.2018 im Zeitschriftenhandel erscheint.)


Chinesische CATL baut Batteriezellen-Fabrik nahe dem thüringischen Erfurt

Thüringen erhält eine der größten Produktionsstandorte für E-Auto-Batteriezellen in Europa. Der Vertrag für den Bau der Fabrik des chinesischen Herstellers Contemporary Amperex Technology Ltd. (CATL) wurde am Montag im Umfeld der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin unterzeichnet. Mehrere Medien, unter anderem auch die DPA (Deutsche Presse Agentur), berichteten hierüber.

Erster Kunde des Werkes, das nahe Erfurt gebaut wird, ist BMW. Noch am Montag vergab der bayrische Autobauer einen Auftrag in Höhe von 4 Milliarden Euro an die Chinesen. Die Hoffnung von CATL ist es nun, dass andere deutsche und europäische Autokonzerne dem Beispiel von BMW folgen werden. Nach dem Willen der chinesischen CATL sollen bis 2022 240 Millionen Euro in das Werk nahe der thüringischen Metropole investiert werden. Für die Ansiedlung der Fabrik erhält CATL zudem eine Förderung vom Land Thüringen in Höhe von 7,5 Millionen Euro. Gemessen an der Größe der Fabrik, jedoch vor dem Hintergrund des hohen Automatisierungsgrades in der Fabrik, plant der Produzent nur mit der relativ niedrigen Zahl von 600 neuen Arbeitskräften zunächst.

Da aber allgemein ein starkes Anwachsen von Elektroautos in Europa in den kommenden Jahren erwartet wird, dürfte auch die Nachfrage nach Batterien sowie Batteriezellen anziehen, was zu mehr Einstellungen führen könnte. VW, BMW, Daimler und andere europäische Hersteller kaufen Zellen derzeit und auch in Zukunft stark in Asien ein und bauen sie dann zu Akkus für E-Mobile zusammen. Eine von vielen befürchtete Abhängigkeit vom chinesischen Produzenten CATL dürfte also auch in Zukunft nicht eintreten.

Gewerkschaften, Bundesregierung und vor allem Angela Merkel fordern schon lange eine deutsche oder europäische Produktion. Zwar wären der Kanzlerin mehr eigenständige deutsche Investitionen am liebsten gewesen, sie betonte aber, dass wenn ein chinesischer Investor nach Europa komme, sei es gut, wenn dieser nach Deutschland gehe und hier investiere. Sie sprach unter anderem deshalb am Montag auch von einem wichtigen Tag für Thüringen.

Der in China größte Produzent von Batterien, CATL, existiert seit 2011 und ist seit diesem Jahr an der Börse gelistet. Außer in Thüringen wird noch in Schweden eine Batteriezellenproduktion für Elektroautos in Europa aufgebaut. Dort kooperiert die schwedische Northvolt mit dem deutschen Mega-Player Siemens. Interessant sein dürfte ebenso, dass für Deutschland auch Elon Musk angekündigt hat, eventuell an der Grenze zu den Benelux-Staaten eine Batterienfabrik aufbauen zu wollen.

Mit Material von auto-medienportal.net

Foto: ampnet / CATL