Testberichte über das Model3 von Tesla: Viel Lob und ebenso viel Kritik

Endlich mehr Tempo: Tesla bekommt die Produktionsprobleme beim Model 3 offenbar langsam in den Griff und liefert seit kurzem größere Stückzahlen aus. Ganz vorne in der Warteschlange stehen Käufer aus Kalifornien, die bereits Besitzer eines Tesla sind und am allerersten Bestelltag geordert haben. Je mehr Kunden ihr Model 3 erhalten, desto häufiger tauchen Erfahrungsberichte im Internet auf. Bei der Beurteilung dieser Berichte sollte man bedenken, dass die Tester praktisch durchweg große Fans der Marke Tesla sind.

So überrascht es nicht, dass in Berichten nahezu alle Besitzer das Model 3 für ein bahnbrechendes Auto halten, welches die hohen Erwartungen noch übertreffe. Zu den größten Pluspunkten werden die Fahrleistungen gezählt. Die Beschleunigung könne mit der eines Tesla Model S 70 D mithalten, bei der Spitzengeschwindigkeit hat einer der Fahrer stolze 228 km/h erreicht. Lob gibt es auch für die Reichweite: Die von Tesla genannten 310 Meilen (knapp 500 Kilometer) sollen in der Praxis tatsächlich machbar sein.

Durchweg positiv werden zudem die Fahreigenschaften des Model 3 bewertet. Jameson Dow von der Website Electrek: „Das Handling ist großartig, ich liebe es. Es ist für mich bisher das Beste an dem Wagen.“ Dow begründet seine Euphorie mit der direkt ansprechenden Lenkung und dem im Vergleich zum Model S deutlich geringeren Gewicht des Fahrzeugs. Das Model 3 sei flinker als der große Bruder. Zum Fahrspaß kommen noch Nutzwert in Form eines großzügigen Innen- und Kofferraums, bequeme Sitze sowie eine bessere Verarbeitung als es beim Serienstart von Model X und S der Fall war.

Trotz der Begeisterung erkennen selbst treue Tesla-Anhänger so manches Defizit: Das Lenkrad ist für viele kein optischer Leckerbissen und die Funktionalität überzeugt nicht jedermann. Tom Moloughney vom Branchendienst Inside hätte sich beispielsweise mehr Bedienelemente am Lenkrad gewünscht statt alles auf dem großen Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts zu bündeln: „Ich bin für Einfachheit, aber Tesla ist vielleicht etwas zu weit gegangen. Selbst um das Handschuhfach zu öffnen oder die Scheibenwischer anzustellen muss man den Touchscreen bemühen. Mir erscheint es nicht wirklich sicher, wenn man für jede Kleinigkeit nach rechts sehen soll.“

Während die Testfahrer beim Bildschirm geteilter Meinung sind, besteht Einigkeit bei der mangelhaften Sicht nach hinten. Moloughney: „Das Heck ist so hoch, ich konnte nachts an der Ampel nicht erkennen, ob ein Auto hinter mir steht.“ Als Behelf nutzen einige Besitzer die Rückfahrkamera, um zu sehen, was hinter ihnen vor sich geht.

Zu den grundsätzlichen Defiziten gesellen sich Kinderkrankheiten: Knacken aus der Audioanlage, schlechte Qualität der Wischerblätter, defekte Reifendrucksensoren, plötzlich blinkende Warnlichter, nicht identifizierbare Geräusche aus dem hinteren Teil des Autos und falsch abgerechnete Ladevorgänge am Supercharger sind nur einige Beispiele. Bei einem Fahrer poppte die Meldung auf, sein Fahrzeug müsse zur Inspektion. Der Wagen ließ sich anschließend nicht mehr starten. Derweil gibt es auch Berichte über Systemabstürze.

Wegen der sehr kurzen Testphase des Model 3 dürfte in den kommenden Monaten noch viel über Fehlfunktionen zu lesen sein. Solche Startprobleme hat Tesla bei seinen bisherigen Modellen mit der Zeit behoben. Interessanter ist, wie bei kritischeren Testern das grundsätzliche Urteil zum Model 3 ausfallen wird. Bleibt es bei der Begeisterung oder wird die Liste der Minuspunkte länger werden? Bis die ersten Exemplare irgendwann Ende 2018 oder Anfang 2019 in Deutschland eintreffen, wird man schlauer sein.

Foto: Tesla