Kia Sorento Plug-in-Hybrid: Großer Auftritt mit Rücksicht

Mit der vierten Generation seines größten SUV will Kia einmal mehr den hiesigen Qualitätsmarken ein paar Marktanteile abjagen. Das wird funktionieren, weil der Sorento ein paar exklusive Stärken hat – und einen starken Plug-in-Hybriden.

Kennen Sie den Satz von Henry Ford über sein erstes Auto für den Massenmarkt? „Sie können unser Auto in jeder Farbe haben – Hauptsache, sie ist schwarz.“ In der Beschränkung zeigt sich eben manchmal der Meister. Das T-Modell war denn auch vor 100 Jahren ein Riesenerfolg.

Für den letzten Kia Sorento galt bisher etwas ganz Ähnliches: „Sie können unser Auto mit jedem Antrieb haben – Hauptsache, es ist ein Diesel.“ Bis vor wenigen Wochen war das nämlich der einzige Antrieb, den deutsche Interessenten für das große SUV der Koreaner bekommen konnten. Doch die Zeiten, in denen Diesel die alleinseligmachende Motorisierung für solcherart Dickschiffe waren, sie sind vorbei.

Darum kommt der neue Sorento jetzt erstmals auch mit einem Plug-in-Hybriden. Und der kann einiges, woran gerade die deutschen Konkurrenten derzeit noch knobeln. Allen voran ein ganz besonderes Raumerlebnis.

Denn der 4,81 Meter lange Sorento ist ein echter Siebensitzer; auch in Reihe Drei können sich dabei zwei Erwachsene ganz wohl fühlen. Das liegt an dreierlei Tricks: Erstens ist der Elektromotor anders als bei vielen Konkurrenten nicht auf der Hinterachse angebracht, sondern am Getriebe. Zweitens ist der Radstand um fast vier Zentimeter gewachsen. Und drittens liegt der Akkupack flach unterm Interieur statt etwa unter der Rücksitzbank. Für zusätzlichen Komfort sorgen eigene Luftauslässe für die Klimaanlage, Extra USB-Anschlüsse und Getränkehalter und die segensreiche Wirkung der Niveauregulierung in den höheren Ausstattungsvarianten.

Sanft ist das Wechselspiel der Motoren

Auf den Schoß nehmen muss dabei zumindest auf kurzen Fahrten auch bei sieben Passagieren niemand sein Gepäck: Beim Siebensitzer stehen auch mit dritter Reihe in Sitzposition immer noch 175 Liter Gepäckraum zur Verfügung – mit eingeklappter dritter Sitzreihe bis zu 809 Liter. Es kann also losgehen auf große Fahrt.

Und der Plug-In mit seiner 13,8-kWh-Lithium-Ionen-Polymer-Batterie ist dafür ein perfekter Begleiter: Die Kombination aus 1,6-Liter-Turbobenziner und 66,9 kW starkem Elektromotor gewährleistet immer mühelose Kraftentfaltung, die dem Diesel absolut ebenbürtig ist. In weniger als neun Sekunden ist aus dem Stand Tempo 100 erreicht. Vor allem bei Zwischensprints zeigt sich aber der Vorteil des E-Motors, der sein 304 Newtonmeter-Drehmoment sofort anbietet. Vom Wechselspiel zwischen den Motoren merkt auch der feinfühligste Fahrer nichts. 

Dass der Sorento seine Kraft so gut auf die Straße bringt, liegt auch am Allradantrieb. Auf den rutschigen Straßen der verregneten Eifel brachte das bei ausführlichen Testfahrten einen eindeutigen Mehrwert in schneller gefahrenen Passagen. Der Sicherheitsgewinn lässt sich aber auch per Software automatisch herbeiführen. Ein superintelligenter Tempomat hält nämlich nicht nur automatisch Abstände, sondern erkennt auch scharfe Kurven oder Geschwindigkeitsbegrenzungen voraus – und bremst den Wagen sanft entsprechend ein.

Die vier angetriebenen Räder bringen übrigens auch außerhalb befestigter Straßen starke Ergebnisse. Gekoppelt mit einem vollelektronischen „Terrain Mode“-System und der Möglichkeit, Programme für Schnee, Matsch und Sand zu wählen, steigt die Traktion erheblich. Dieses SUV kann auch Gelände – wenn es denn nicht zu extrem für Überhänge oder Reife wird.  Und dabei geht es auch auf ruppigerem Geläuf im Inneren meist noch limousinenhaft zu.

Zum Wohlfühlen auf allen Sitzplätzen trägt auch bei, dass der Hybride ein echter Flüsterriese ist. Klar, wenn der Fahrer die volle Kraft von 265 PS und maximalem Systemdrehmoment von 350 Nm im Sport-Programm abruft, ist die Konversation zwischen den Sitzreihen deutlich eingeschränkt. In den Normalprogrammen bleibt es hingegen extrem ruhig im Sorento.

Das liegt zum einen am hohen Niveau der Verarbeitung, dass die Koreaner längst erreicht haben. Besonders in den edleren Ausstattungsvarianten ist der Sorento in seiner Anmutung und bei der Liebe zum Design-Detail durchaus auf Augenhöhe mit deutlich teureren Angeboten aus Deutschland, Schweden oder Großbritannien – auch, wenn dort die Holz- oder Aluminium-Optik wirklich aus diesem Material gefertigt ist. Da soll der Kunde entscheiden, was ihm dieses Anfass-Erlebnis wert ist. 

Jede Menge digitale Features

Die Kia-Ingenieure haben ihren Ehrgeiz zudem auf die Technik des Hybrid-Antriebs konzentriert. Ergebnis: Der Rotor des Elektromotors arbeitet so hörbar geräusch- und vibrationsarmer als in anderen E-Antrieben. Oder besser gesagt: unhörbar.

Bei Infotainment, Vernetzung und Assistenzsystemen lassen Asiaten sich von uns Europäern ja ohnehin schon lange nichts mehr vormachen – im Gegenteil: Der Sorento bietet je nach Geldbeutel die ganze heute übliche Armada aus Head-Up-Display, 26-cm-Touchscreen, cloud-basierter Online-Navigation, der Anzeige von nahe gelegene Ladestationen samt Details zu Kompatibilität und Verfügbarkeit. Per App lassen sich zudem geplante Routen an das Navigationssystem schicken – und die Routenführung etwa in einer Fußgängerzone auch nach dem Aussteigen per Smartphone fortsetzen. Automatisch in der Spur bleiben, bremsen, beschleunigen, lenken, den Verkehr drum herum beobachten und so weiter…alles drin.

Und manchmal noch ein paar exklusive Gimmicks dazu: Der mit Außenspiegeln 2,17 breite Kia lässt sich etwa auch von außen per Druck auf die Fernbedienung automatisch aus einer engen Parklücke lotsen oder öffnet die Heckklappe auch ohne Fußakrobatik, wenn der Fahrer vollbeladen dahinter steht. Und bei der Rücksicht unterstützt der Sorento auch besonders: In das digitale Cockpit öffnet sich immer dann automatisch das Bild der Rückfahrkamera, wenn der Fahrer blinkt. Der Schulterblick wird Geschichte. Peter Weißenberg

Technische Details

  • Typ: Fünftüriges, fünf- oder siebensitziges SUV
  • Motoren: 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner in Kombination mit E-Motor und Sechsgang-Automatikgetriebe
  • Elektro-Motor: Lithium-Ionen-Batterie mit 13,8 kW/h brutto Kapazität
  • Systemleistung: 194 kW (265 PS) 
  • Elektr. Reichweite (WLTP): k. A.
  • Länge x Breite x Höhe: 4,81 m x 1,90 m x 1,70 m
  • 0 bis 100 km/h: noch nicht bekannt
  • Abgasnorm: Euro 6d
  • Effizienzklasse: A+
  • Preis: noch nicht bekannt