Källenius

EQE

IAA 2021: Mercedes wird zum Elektro-Vorreiter

Einst als Nachzügler der E-Mobilität gesehen, verfolgt Daimler mit der Marke Mercedes derzeit stärker als manch anderer Konzern ziemlich ambitionierte E-Auto-Ziele in den kommenden Jahren. Nicht „EV first“ soll es bei Daimler heißen, sondern „EV only“, erzählt  Konzernlenker Ola Källenius bei der Vorstellung der Daimler-Strategie auf der IAA in München. Zwei Modelle sind in den Startlöchern und kommen gegen Ende des Jahres auf den Markt, drei weitere dann 2022 oder etwas später.

Ab 2022 wird in jedem Segment ein Stromer zu finden sein und ab 2025 gibt es von jedem Modell mindestens eine E-Variante. Im gleichen Jahr sollen drei reine E-Architekturen in Serie gehen, auf denen jeweils diverse Modelle entstehen werden. Das soll helfen, den Anteil von E- und PHEV-Autos an den weltweiten Verkäufen zur Mitte des Jahrzehnts auf 50 Prozent zu erhöhen.

Einen Meilenstein setzt Mercedes dabei mit dem EQE, dessen Serienvariante in München erstmals vorgestellt wurde. Bis zu 660 Kilometer weit kann der kleine elektrische Verwandte aus der E-Klasse kommen (siehe auch unseren Bericht in der kommenden Ausgabe 6/2021).

Der knapp fünf Meter lange EQE wird von vielen auch als „kleiner Bruder“ des bereits früher im Jahr vorgestellten EQS tituliert. Der „E“ wurde auf der IAA als AMG-Modell mit 560 kW/761 PS aus zwei E-Motoren sowie verschärfter Optik und Akustik Premiere präsentiert.  Neben dem ersten reinen Elektromobil hat die Tuning-Tochter von Mercedes auch ihren ersten Plug-in-Hybrid mit auf die IAA gebracht. Der E-Motor an der Hinterachse dient beim viertürigen GT 63 SE Performance nicht in erster Linie der emissionsfreien Fortbewegung, sondern als Dynamik-Booster für mehr Leistung und bessere Kraftverteilung.

Neben AMG wurde auch bei Luxusanbieter Maybach die E-Offensive eingeläutet. In München zu sehen ist eine Studie des kommenden, rein elektrischen Oberklasse-SUV Mercedes-Maybach EQS. Das in München vorgestellte Concept-Car dürfte einen ersten, wichtigen Eindruck auf das konventionelle EQS-SUV geben, das 2022 auf den Markt kommt.

Als dritte Mercedes-Submarke zeigt das Concept-Car EQG wie die G-Klasse zukünftig elektrifiziert werden wird. Der Marktstart liegt um das Jahr 2024.

Smart stellte außerdem die Studie seines 2022-er Modells vor, welches nunmehr als Kompakt-SUV mit mehr als 400 Kilometern Reichweite daherkommt. Die Zeiten des Kleinwagenbauens scheinen vorbei. Gebaut wird auch mit Großaktonär und Partner Geely in China, und zwar das erste neue Serienmodell, das mit dem Concept#1 auffällig viele  Überschneidungen hat.


Daimler AG auf dem Messestand in Genf

Toyota, BYD, Daimler und BAIC: Neue Bündnisse für die Elektro-Auto-Zukunft

Bei der Entwicklung von E-Fahrzeugen und Batterien gehen die Produzenten verstärkt Bündnisse ein, teilweise sogar mit Wettbewerbern. Neben den deutschen und europäischen neuen Bündnissen – beispielsweise der Verbund BMW und Jaguar – tritt nun ein neues, sehr großes, rein asiatisches Bündnis auf den Plan. BYD und Toyota haben sich im Beisein der Öffentlichkeit die Entwicklungs-Ehe versprochen und wollen im Rahmens einer 50:50-Beteiligung (Joint Venture) Stromer entwickeln und sogar zusammen bauen. Die Verbindung ist ungewöhnlich, zeigt aber, dass in den Zeiten des technischen Umbruchs so manche frühere Konkurrenz nun einfach über Bord geworfen wird.
Auch Batterien wollen die beiden Player zusammen entwickeln. Im Resultat sollen bereits im ersten Halbjahr 2020 unter der Marke Toyota erste Autos auf dem chinesischen Markt das Licht der Öffentlichkeit erblicken.
Die Allianz wurde initiiert, so die Sprecher der zwei asiatischen Konzerne, um einen Beitrag zur Entschärfung des Treibhauseffektes zu leisten. Beide Unternehmen bekräftigten, dass die CO2-Emissionen Ihrer Flotten nachhaltig gesenkt werden sollen. Auch darum sei man nun absolut bemüht, die bisherigen Rivalitäten aufzugeben und neue Wege zu beschreiten.

Auch deutsch-chinesische Bündnisse werden anscheinend stärker geschlossen. Denn ebenfalls bekannt wurde jetzt, dass der chinesische Hersteller Beijing Automotive Group (BAIC) sich über eine Tochtergesellschaft bei der Daimler AG eingekauft hat. Zusätzlich zur direkten Beteiligung von 2,48 % habe BAIC das Recht auf den Erwerb weiterer Stimmrechte in Höhe von 2,52 % erworben, erläuterte BAIC in Peking. Mit dem Anteilserwerb soll die bisherige gute Zusammenarbeit unterstrichen und gestärkt werden. Daimler-Vorstandsvorsitzender Ola Källenius begrüßte den Einstieg mit einem eindeutigen Statement: „Dieser Schritt festigt unsere erfolgreiche Partnerschaft und ist ein Vertrauenssignal in die Strategie und das Zukunftspotential unseres Unternehmens“, betonte der Vorstandschef. Und weiter: „Der chinesische Markt ist und bleibt eine entscheidende Säule unseres Erfolgs – nicht nur für den Absatz, sondern auch für unsere Entwicklung und Produktion.“
Daimler produziert mit BAIC als Partner in China in dem Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz Automotive. Selbst im Vertrieb sowie bei Forschung und Entwicklung arbeiten beide Konzerne zusammen. Auch der chinesische Autobauer Geely ist seit Anfang 2018 an Daimler beteiligt, und zwar knapp 10 % der Aktien der Daimler AG.