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Ladesäulen-Infrastruktur wächst – Förderung von Wallboxen kommt

Das Angebot an Strom-Ladesäulen in der Bundesrepublik Deutschland wächst rasant und geht von niedrigem Niveau ausgehend, langsam in ein exponentielles Wachstum über. Derzeit stehen laut dem Energieverband Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) 33.107 öffentliche Steckdosen zur Verfügung, jeder zehnte Ladepunkt ist ein Schnelllader, welche hauptsächlich an den Autobahnen stehen. Im vergangenen halben Jahr ist die Menge damit um 5.300 Ladepunkte beziehungsweise 19 % hierzulande gewachsen.
Grund zur Freude für die Betreiber ist das aber noch nicht. Denn ein Geschäft sind Stromtankstellen für die Betreiber bislang nicht, betont der große Verband. Die Branche sei mit dem Ausbau der Infrastruktur in Vorleistung getreten. Geld verdienen lässt sich nach BDEW-Einschätzungen erst, wenn sich die E-Auto-Flotte mehr als verdoppelt hat. Aktuell sind in Deutschland rund 240.000 reine E-Mobile zugelassen, dazu kommen 200.000 Plug-in-Hybride. Das entspricht einer Quote von 13 Fahrzeugen pro Ladepunkt. Lohnen würde sich demnach das Fahrstromgeschäft bei der aktuellen Säulendichte erst mit 550.000 reinen E-Autos. Bis man in Deutschland dort angekommen ist, wird das noch ein wenig dauern, mindestens, so vermuten Experten, noch ein bis zwei Jahre.

Dem Durchbruch verhelfen wird sicher auch das Förderprogramm des Bundes, dass dieser für den Bau und den Kauf von Wallboxen für zuhause aufgelegt hat. Damit wurde nun eine Förderlücke geschlossen. Ende November startet die Wallbox-Förderung. Und seit letzter Woche ist auch klar, für welche Modelle es Geld gibt. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat auf ihren Internetseiten die Liste der förderfähigen Exemplare veröffentlicht. Zu finden sind dort neben den Ladestationen großer Autohersteller auch solche von Zulieferern wie ABB, Juice, Wallbe oder Walther Werke. Ergänzungen der Liste in den kommenden Wochen sind möglich.

Mit 900 Euro gefördert wird der Erwerb und die Errichtung einer fabrikneuen, nicht öffentlich zugänglichen Ladestation inklusive des elektrischen Anschlusses sowie der damit verbundenen notwendigen Nebenarbeiten an Stellplätzen von bestehenden Wohngebäuden. Die Ladestation muss über eine Normalladeleistung von 11 Kilowatt verfügen und Strom aus erneuerbaren Quellen bereitstellen, zum Beispiel aus der eigenen Photovoltaik-Anlage. Zudem muss sie intelligent steuerbar sein. Die Anträge können ab dem 24. November gestellt werden. Der geförderte Kauf der Wallbox ist erst nach Antragstellung möglich.

Plug-in-Hybride stehen
unter Beobachtung

Unterdessen hat sich Grünen-Politiker Cem Özdemir für eine Überprüfung des Fahrverhaltens von Plug-in-Hybrid-Fahrern ausgesprochen. Der TÜV solle in Zukunft prüfen, wieviel der Halter eines Plug-in tatsächlich elektrisch mit seinem Fahrzeug gefahren ist. Hintergrund der Idee ist, dass viele Fahrer dieser Teilzeitstromer gar nicht oder nur sehr selten mit dem Ladekabel die Batterie aufladen. Auf der anderen Seite werde aber der Kauf der Plug-in-Hybride durch Förderungen subventioniert. Wer also ohne Stromladen den Hybriden bewegt, erhält eine Prämie für einen Quasi-Verbrenner durch die Hintertür.

Bereits in der Vergangenheit wurde Kritik an der Nutzung von Plug-in-Hybriden im politischen Raum geäußert.


Schade: Wenig Lademöglichkeiten für E-Mobile in Tiefgaragen

In Mehrfamilienhäusern fehlt es an Lademöglichkeiten für E-Autos. Lediglich bei 4 % aller Objekte mit Tiefgarage in Deutschland ist zumindest ein Stromanschluss für Fahrzeuge verfügbar. Und auch nur in der Hälfte davon ist bereits eine Wallbox für das schnelle und regelmäßige Laden installiert, wie aus einer Untersuchung des ADAC hervorgeht, auf die der Club vor kurzem nochmal hinwies.

An der Situation dürfte sich in den kommenden Jahren wenig ändern: Lediglich für 13 % aller Mehrfamilienhäuser gibt es Pläne, eine Lademöglichkeit zu installieren.
Zu den Gründen für die vielerorts fehlende Infrastruktur zählen neben den teils hohen Installationskosten und der noch relativ niedrigen Verbreitung von E-Autos im Verhältnis zum Gesamtbestand auch die speziellen rechtlichen Hürden bei gemeinsam genutztem Wohneigentum. Eine Ladesäule kann in der Regel nur bei einstimmigem Beschluss der Miteigentümer installiert werden, was in der Praxis oft schwierig zu erreichen ist. Der Automobilclub setzt sich daher wie auch andere Verbände für eine neue gesetzliche Regelung ein.

Deutsche laden am
liebsten zuhause

Die praktische Unmöglichkeit, Ladestationen in Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern zu installieren, gilt derzeit als großes Hindernis beim Ausbau der E-Mobilität. In Deutschland gibt es mehr als neun Millionen Mehrfamilienhäuser in Gemeinschaftsbesitz, zu ihnen gehören rund vier Millionen Pkw-Stellplätze. Wer als E-Autofahrer in solch einer Immobilie wohnt, muss sein Fahrzeug in der Regel an öffentlichen Ladesäulen oder beim Arbeitgeber laden. Zur Lösung dieser Hemmnisse ist tatsächlich eine Lösung notwendig, denn eine Umfrage des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDSW) würden 65 % der Deutschen ihr E-Auto am liebsten zuhause laden. Öffentliche Lademöglichkeiten wären für 15 % die bevorzugte Adresse, 7 % würden die Arbeitsstelle vorziehen. Der Berliner Verband wertet diese Ergebnisse als eindeutigen Beleg für die Notwendigkeit, die bestehenden Hindernisse beim Ausbau privater Ladeinfrastruktur zu beseitigen. Hierfür bedarf es allerdings einiger Änderungen im Miet- und Wohneigentumsrecht, die nach Meinung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDSW) vom Bundesjustizministerium nun schleunigst umgesetzt werden sollte. Dies sei allerdings nicht die einzige Baustelle, der sich die Politik nun widmen müsse.