Shanghai

Automesse in Shanghai: Deutsche Hersteller zeigen sich angriffslustig

Wenn es um E-Autos geht, dann darf ein Blick auf die Messe „Auto China“ in Shanghai niemals fehlen. Coronabedingt sind in diesem Jahr jedoch so gut wie keine ausländischen Gäste vor Ort. Trotzdem setzt die Messe die wichtigsten Akzente in diesem Jahr mit Blick auf elektromobile Fahrzeuge. Mehrere Medien konstatieren: Die deutschen Hersteller zeigen sich mit ihren Stromern angriffslustig.

Volkswagen
und Audi

Volkswagen zum Beispiel. Der Konzern baut seine Elektroauto-Familie mit einem großen SUV nun aus, zu einer Zeit, in der der ID.4 in Deutschland derzeit einen starken Abdruck im E-Auto-Markt zu hinterlassen beginnt. Der in Shanghai präsentierte ID.6 fährt mit 4,88 Meter Länge im Format des konventionell motorisierten Touareg und siedelt sich oberhalb des Kompakt-Crossovers ID4 an. Premiere feiert der Siebensitzer nun auf der Messe in Shanghai (bis 28. April), bevor er in China auf die Straße rollt. Ein Markstart in Europa ist offiziell zunächst nicht geplant, wäre aber wohl ab dem kommenden Jahr denkbar. Technisch basiert der ID.6 (siehe Foto) wie auch seine kleineren Verwandten auf dem Modularen Elektro-Baukasten des Konzerns. Für den Antrieb stehen in China unterschiedliche Motoren- und Akku-Varianten zur Verfügung, die kleinste Variante kommt mit 132 kW/180 PS Leistung und 58 kWh Batterie-Kapazität daher. Die Reichweiten liegen nach chinesischer Norm bei 400 und knapp 600 Kilometern.

Nicht minder wichtig sind die zwei Langversionen bereits bekannter Modelle, und zwar das SUV Q5 L und die Limousine A7 L von Audi. Sie bleiben allerdings dem chinesischen Markt vorbehalten, die Fertigung vor Ort soll im Laufe des Jahres starten. Dass die zwei Fahrzeuge nur dort angeboten werden, hat indes eine gewisse Tradition. Die dortige Kundschaft schätzt das vergrößerte Platzangebot und das damit verbundene Prestige. Zudem werden dort auch Autos unterhalb der Luxusklasse als Chauffeurs-Limousinen genutzt, so dass ein bequemer Fond wichtig ist.
Beeindruckend ist ebenso das Konzeptfahrzeug A6 E-Tron. Dieses gibt einen Ausblick auf die nächste Evolutionsstufe batterieelektrisch angetriebener Modelle. Die Studie ist Vorbote der sogenannten „Premium Plattform Electric“, kurz PPE, welche mit großen Batterien und 800-Volt-Architektur üppige Reichweiten ermöglichen soll. Im Fall A6 E-Tron versprechen die Ingolstädter über 700 Kilometer mit einer Akkuladung.
Mit der 4,96 Meter langen Karosserie ist die Studie in etwa so lang wie der aktuelle A6. Beim Design handelt es sich indes um eine Weiterentwicklung der Formensprache der Baureihe, welche schon recht konkret andeutet, wie ein elektrisch angetriebenes Modell der Oberklasse von Audi aussehen könnte. Die Außenhaut zeichnet sich zudem durch einen aerodynamischen Feinschliff aus, der für einen cW-Wert von lediglich 0,22 sorgt (siehe Foto).

Auch Mercedes-Benz will auf dem asiatischen Markt mit E-Modellen richtig durchstarten: Denn nach dem Kompakt-SUV GLA erhält nun auch der etwas größere Ableger GLB einen Elektro-Ableger. Der Fünf- bis Siebensitzer feiert unter der Modellbezeichnung EQB auf der Messe in Shanghai Premiere. Auf deutsche Straßen rollt er im Laufe des Jahres.
Optisch und in Sachen Abmessungen orientiert sich der 4,68 Meter lange EQB eng an seinem Schwestermodell mit Verbrennungsmotor. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist der glänzend schwarze „Black-Panel“-Grill, der den klassischen Kühlergrill ersetzt. Zudem findet sich vorne wie hinten ein durchgehendes Leuchtenband als Zier-Element. Innen gibt es unter anderem roséfarbene Dekore und blaues Ambiente-Licht.
Beim Antrieb dürfte sich der EQB am EQA orientieren. Während letzterer in Deutschland zunächst als 140 kW/190 PS starker EQA 250 startet, präsentiert sich der EQB in China als EQB 350 mit 215 kW/292 PS und Allradantrieb. Die Stromversorgung übernimmt in allen Varianten ein 66,5 kWh großer Akku, der für eine Reichweite von mehr als 400 Kilometern gut sein dürfte. Geladen wird über einen Bordlader mit bis zu 11 kW, Gleichstrom tankt der Mercedes mit bis zu 100 kW. Preise für den EQB nennt Mercedes allerdings bislang nicht.

Hyundai wird
immer elektrischer

Auch die Hyundai-Tochter Genesis wird nun elektrisch, wie das in Shanghai erste Modell unter diesem Namen eindrucksvoll zeigt. Und die E-Variante der Luxuslimousine G80 hat es tatsächlich in sich: Sie bietet über 500 Kilometer Reichweite.

Obwohl der elektrische G80 (siehe Foto rechts) nicht auf Hyundais neuer Elektro-Plattform E-GMP basiert, wurde doch einige Technik von dieser übernommen. So bietet der Genesis ein 800-Volt-System, welches Ladeleistungen von bis zu 350 kW verträgt. Im Idealfall kann die auf über 500 Kilometer Reichweite ausgelegte 87-kWh-Batterie deshalb in 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden. Für den Vortrieb kommen zwei jeweils an Vorder- und Hinterachse montierte E-Motoren mit 272 kW/370 PS und 700 Newtonmeter Drehmoment Systemleistung zum Einsatz. Der Sprint auf 100 km/h ist in unter fünf Sekunden möglich. Die Präsen-
tation des elektrischen G80 markiert zugleich den Eintritt der Hyundai-Tochter in den chinesischen Markt. Flankiert wird der Messeauftritt in China außerdem von der Studie X Concept. Wann und zu welchen Preisen der Elektro-G80 in China oder anderen Märkten wie auch Deutschland verfügbar sein wird, hat Genesis noch nicht verraten. In diesem Jahr wird die Marke offiziell auch in Deutschland antreten.

Lexus kommt mit
einem überarbeiteten ES

Sehr stolz ist man natürlich bei Toyota auf das erste batterie-elektrische Auto. Mit der Studie Concept bZ4X (siehe Foto links) gibt Toyota auf der Messe schon mal einen ersten Ausblick. Das gemeinsam mit Subaru entwickelte Kompakt-SUV basiert auf der neuen Elektro-Plattform e-TNGA und soll 2022 in Serie gehen. Als Produktions-standorte sind Japan und China vorgesehen. Neben dem auch mit Doppelmotor-Allradantrieb ausgerüsteten Crossover sollen bis 2025 sieben weitere Modelle der bZ-Familie auf den Markt kommen. Insgesamt will der Konzern bis Mitte des Jahrzehnts 15 Batterie-Fahrzeuge auf die Straße bringen, darunter auch Mikro-Mobile wie das Kei Car C+Pod.
Nicht weit entfernt vom Toyota-Bereich zeigt die Marke Lexus den überarbeiteten ES. Optisch fällt die 4,98 Meter lange Limousine durch einen modifizierten Kühlergrill sowie schlankere Scheinwerfer auf. Wie gehabt wird die Limousine in Deutschland ab Oktober ausschließlich mit einem 160 kW/218 PS starkem Hybridantrieb angeboten. Preise nennt Lexus derzeit aber noch nicht.Überhaupt scheinen die Japaner auch in diesem Jahr wieder traditionell sehr stark vertreten zu sein auf der Auto-Messe in Shanghai.

So präsentiert Nissan nach dem Qashqai nun auch dessen größeren Ableger X-Trail in neuer Generation. Nach der Premiere muss sich der Mittelkasse-Crossover mit bis zu 7 Sitzen aber erst noch gedulden. Erst im Sommer 2022 kommt er nach Europa.
Trotzdem hier schon mal ein paar Infos von uns über das Modell: Wie schon der Qashqai basiert der X-Trail auf der neuen Allianz-Plattform CMF-C, optisch orientiert er sich zudem sehr eng am US-Modell Nissan Rogue, das bereits seit 2020 auf dem Markt ist. Im Antriebsportfolio des Crossovers wird sich auch der für den Qashqai bereits angekündigte E-Power-Motor finden, ein serieller Hybridantrieb mit 140 kW/190 PS.
Es gibt aber auch die kleinen Fahrzeuge, die auf sich aufmerksam machen. So hat sich der kleine Hong Guang Mini EV in China zum großen Verkaufsschlager entwickelt. Bald schon soll das lifestylige Minimobil auch Kunden in Europa seinen Bann ziehen. Offiziell wird das Auto in Deutschland nicht angeboten, doch der in Litauen ansässige Karossier Dartz rasselt schon mal mit der Kette und wird das Mini EV in Europa unter der Marke Freze vertreiben. Dartz-Gründer Leonard F. Yankelovich wird das Fahrzeug als „Freze Froggy“ zum Preis von rund 20.000 Euro auch hierzulande anbieten.

Mehr zu den neuen Modellen der Auto-Messe in Shanghai in der kommenden arrive. Oder abonnieren Sie arrive einfach als preiswertes e-paper. Jetzt auch über amazon.de für den kindle.